Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 284 (sequence 2)
- Language
- German
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284 Hm deutschen Reich. umsomehr zurückgesetzt, als sie genau dieselbe wissenschaftliche Ausbildung erhalten haben und ihre Prüfung vor einer königlichen Prüfungskommission ablegen müssen. Sie ersuchten deshalb das preußische Abgeordnetenhaus, dafür eintreten Zu wollen, daß die jüdischen Lehrer-Seminarien, die zur Abnahme der Volksschullehrerprüfung und zur Ausstellung des Befähigungszeugnisses zum Lehramt berechtigt sind, auch das Recht zur Ausstellung des Befähigung^. Zeugnisses für den einjährig - freiwilligen Dienst erhalten. Die Kommission beschloß nach längerer Debatte, die Petition der an öffent. lichen Volksschulen angestellten 115 Lehrer der Staatsregierung als Material zu überweisen. Der Verein „Lehrlings heim Pankow", der kürzlich seinen 6. Verwaltungsbencht versandte, bezweckt die Heranbildung jüdischer Jünglinge für den Handwerkerbernf. Während des Berichtsjahres gingen 45 Aufnahmegesuche ein, von denen nur 18 genehmigt wurden. Die Ablehnung erfolgte in den meisten Fällen wegen Mangels an Mitteln. Sieben Zöglinge haben nach beendeter Lehrzeit das Lehrlingshcim verlassen. Der Voranschlag pro 1902/1905 sieht eine Belage- Ziffer von 45 bis 50 Zöglingen vor; Raum ist für etwa 70. Der Einrichtung von Sparkassenbüchern für die Zöglinge wenden Gönner des Vereins erfreulicher Weife immer größere Anfmerksamkeit zu. Das in Pankow, Mühlenstraße 2n, belegcne umfangreiche, vor sechs Jahren neu erbaute Haus mit großem Garten ist frei von Hypotheken und Grundschuldcn und hat nach der am 7. Juli 1899 amtlich erstatteten rare einen Werth von 164,710 Mark. Bei voller Verpflegung stellt sich der Kostenaufwand pro Kopf und Tag auf ungefähr 75 Pfennig. Erfreulich ist es, daß die ehemaligen Zöglinge die Verbindung mit der Anstalt lebendig erhalten. Dadurch konnte man feststellen, daß trotz des schweren Mangels an Arbeitsgelegenheit, unter denn das Handwerk zur Zeit leidet, keiner der ehemaligen Zöglinge das erlernte Handwerk aufgegeben hat, wenn auch hier und dort ein Wechsel in den Arbeitsstätten eingetreten ist. Die Lehrmeister der Zöglinge haben zum großen Theil wiederum den Wunsch geäußert, der Zögling möchte auch nad) beendeter Lehrzeit an der Lehrstelle verbleiben, Ein Maler, der nach London gegangen ist, befindet sich noch immer in derselben Stellung; ein Gärtner arbeitet in Reinickendorf, und zwei Elektrotechniker sind bei der Allgemeinen Elektrizitätsgefellschast beziehungsweise bei Siemens u. Halske thätig. Ein Maler hat in Düsseldorf, ein Maschinenschlosser als Gehilfe deS Maschinisten auf einem Ozeandampfer der Hamburg «Amerika-Linie Thätigkeit gefunden. Ein Schriftsetzer ist bei der Firma G. Bernstein, ein anderer