Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- Der Stand des Antisemitismus im Reiche
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 257 (sequence 1)
- Language
- German
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Letifchvifi des LkLtislmms SMn Sißststftrgrr Wislhes CKsbess. «1 Vrscheinl jroölfnial im Sahrr. VIII. I-rhrg. Berlin. Mai 1962. ]£r. 5. Aer Stand des Antisemitismus im Reiche. Bei der künstlichen Schaffung des Antisemitismus wurde vielfach, selbst von berufener Seite angenommen, daß er sich bald überleben und allmählich im Gedränge der Zeit verschwinden würde; leider, so müssen wir gestehen, ist das Gegentheil der Fall, diese „Schmach des Jahrhunderts" breitet sich mehr und mehr aus und ergreift auch gebildete Kreise. Auf die Frage nach den Gründen für diese traurige Thatsache giebt es nur eine Antwort: Da man nie ein Volk in seiner Gesammtheit oder Mehrzahl als schlecht oder bösartig anfehen darf, so kann man nur annehmen, daß die Mißachtung und Unterdrückung der Juden lediglich erfolgt, weil sie als rechtlose Eindringlinge hingestellt Werdern Die Thatsache, daß kein Jude in der höheren Verwaltungs-, Staatsanwalts- oder Offfzierslaufbahn sich befindet, daß auch weder Einzelne noch zuständige Korporationen hierüber, und zwar jedesmal bei Zurückweisung Beschwerde geführt haben, so daß sich schon des vergeblichen Bemühens wegen keine Juden mehr für diese Stellen melden, diese Thatsache erzeugt auch bei den Gebildeten den Eindruck, daß der Jude rechtlich ein Außenstehender sei, der deshalb auch sozial keine Ansprüche erheben könne, und so steht er überall im Leben, bis auf die Fälle, da er Geld geben soll, im Hintertreffen. Dieser Zustand kann nur durch offenen Kanrpf für unser Recht beseitigt werden; die beste Deckung ist der Hieb. —