Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-04-01
- Page
- 234 (sequence 10)
- Language
- German
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m Im deutschen Reich. mit dem Deficit von 200 000 Mk. abschloß. Die „Germania" schreibt darüber: „Von seiner eigenen Partei scheint der einst so hochgefeierte Lutz schon aufgegeben zu sein. Die conservative „Süddeutsche Landpost" entschuldigt sich, weil sie die vielen Befchwerdcbriefe gegen Lutz nicht abdruckt, und macht ihm den Vorwurf, daß er aus unbekannten Ursachen „jetzt das Gegentheil von dem thue, was er früher gethan habe." Der antisemitische Abgeordnete Lutz hat nämlich einen Theil seines Grundbesitzes an jüdische Güterschlächter verkauft." lieber diese Bloßstellung ihres Gesinnungsgenossen durch das Centrumsorgan ist die „StaatsbürgerZeitung." so erbost, daß sie cs „als wenig gcDtlemanlike" bezeichnet, „eine politische Partei für einen schiffbrüchigen Mann verantwortlich zu machen". Was der staatokluge Centrumsführcr Dr. Lieber längst erkannt hatte, das müssen seine Nachfolger einsehen, wenn sie sich von den Ausführungen der „nationalen Chauvinisten" belehren lassen, welche die sogenannte fortschrittliche Richtung im Katholizismus zu vertreten vorgeben und das Papstthum mit derselben Schärfe wie das Judenthum befehden. In einer flammenden Rede hat der antisemitische Professor des kanonischen Rechts an der Innsbrucker Universität, Dr. Wahrmund, der Studentenschaft gegenüber die in Briren kürzlich mehrfach kundgegebcnen Auffassungen bekämpft und sich entschieden gegen eine Einigung der Völker Oesterreichs unter päpstlicher Hegemonie geäußert. Dabei sagte er: „Es handelt sich um jene furchtbare Intoleranz, welche die katholische Kirche als unseliges Erbstück des mütterlichen Judenthums den arischen Völkern des Abendlandes überliefert hat, denen zuvor Fanatismus und Intoleranz so vollkommen unbekannt waren." Diese Rede hat nicht nur zwei Interpellationen veranlaßt, welche der österreichische Unterrichtsminister v. Härtel beschwichtigend beantwortete, sondern auch einen merkwürdigen Artikel der katholischen „Germania", welche darin den lahmen Versuch machte, eine harmlose Aeußerung der Wiener „Neuen Freien Presse" so auszulegen, als ob das von ihr ohne allen Grund als Organ der „Israelitischen Allianz" bezeichnete Blatt für den Innsbrucker Professor Wahrmund Partei' ergriffen habe, der als Rassenfanatiker dem Judenthum mindestens so schroff entgegcnsteht wie den konservativ gesinnten Katholiken. Gegen den oben citierten Ausspruch Wahrmunds hat übrigens der Landesrabbiner von Tirol und Vorarlberg Dr. A. Tänzer sofort Stellung genommen, indem er in der „Meraner Zeitung" einen offenen Brief an Dr. Wahrmund veröffentlichte, in welchem er dagegen protestierte, daß die mit Scheiterhaufen und Folterkammern arbeitende Intoleranz der katho-