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Im deutschen Reich · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. 230

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-04-01
Page
230 (sequence 6)
Language
German
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Im deutschen Reich. 230 Kinder zur Osterzeit von jedem Verkehr mit Juden sernzuhalten, und sprach dabei von keiner abergläubischen BluLsckte, sondern von der jüdischen Gcsammtheit. Die seinen Spitzfindigkeiten seiner Ver- Lhcidigung gegen den. von Gleiwitz aus an ihn gerichteten vernichtenden „Offenen Brief" werden ebensowenig wie die Grobheiten, mit denen er alle Christen bedachte, welche dem Rabbiner vr. Münz Anerkennung zollten, daran das Geringste ändern, daß man allgemein seinen Namen zu denen der Gutachter des Herrn Wilhelm Bruhn wirft. Nachdem der wackere jüdische Kämpe ihm nach muthiger Prophetenart das „Du bist der Mann!" ins Gesicht geschleudert, hilft Herrn Liebermann von Sonnenberg kein Winkelzug, kein höhnisches Witzwort mehr — er ist gerichtet! Seine Agitationsreise durch das Rheinland hat auch einen Verlauf genommen, der seinem Ansehen kaum förderlich war. Trotzdem der Verein Westmark unter Führung des deutsch.sozialen Amtsrichters Hoffmann in Gelsenkirchen alle Hebel in Bewegung setzte, um ihm zu Erfolgen zu verhelfen, erzielte er diese nur an einzelnen Orten. In Bochum, wo er über die „Polen- und Judcngefahr" am 21. März sprach, demonstrierten die anwesenden zahlreichen Polen gegen den die Verhältnisse in den Ostmarken grundfalsch darstellenden Redner, und in Köln, wo er bald darauf den Agrarier herausstcckte und das Brotwuchcrgeschrei als eitel Dunst und Schwindel bezeichnete, kam es zu solchen Tumulten, daß das Einschreiten der Polizei den vorzeitigen Schluß der Versammlung herbeisührte. Der treue Schildknappe Liebcrmanns, der Neichskagsabgcordncke Friedrich Raab, der auch in der Hamburger Bürgerichaft den Antisemitismus vertritt, erfuhr nach einer langathmigcn Interpellation bei der Budgctberathung durch den Bürgermeister Dr. Mönkemcver eine gründliche Abfuhr. Der Bürgermeister warf ihm vor, systematisch die Unzufriedenheit der Beamten zu wecken, und erklärte dann weiter, auf die Frage, wie oft und warum der Hamburger Senat Namensänderungen von Juden gestattet habe, nicht Auskunft geben zu wollen. Auch Christen änderten ihre Namen; der Senat entscheide in jedem Falle nach genauer Prüfung. Eine freundlichere Behandlung und dankbare Anerkennung feiner sozialen Leistungen erfuhr dafür der Neichstagsabgeordnete Fr. Raab am 30. März von den antisemitischen Theilnehmern des 7. deutsch-nationalen Handlungsgehilfentages, der unter der Leitung seines Hamburger Kollegen Wilhelm Schack in Magdeburg st.cktfand. Die Versammlung, welcher der Oberpräsident Or. von Bötticher fernblieb, „weil er verhindert war, der Einladung Folge' zu leisten", gab ihrer Entrüstung darüber Ausdruck, daß in Staßfurt, Uelzen, Salzwedel, Kassel und zuletzt in Eisenach die

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