Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- Der Antisemitismus und die akademischen Kreise
- Date
- 1902-04-01
- Page
- 222 (sequence 1)
- Language
- German
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222 Im deutschen Reich. Aer Antisemitismus und die akademischen Kreise, jo lautet der Titel eines Phrasenconglomerates, das den in weitesten Kreisen unbekannten Herrn Dr. Böhme zum Verfasser hat und in der am 16. Februar d. I. erschienenen Nummer der „Akademischen Blätter", der Zeitschrift des Kyffhäuser-Verbandes der Vereine Deutscher Studenten, zum Abdruck gelangt ist. Wie ansteckend das. Phrasengeklingcl wirkt, erhellt aus dem Zusatze, mit welchem das Hamburger „Deutsche Blatt"" den Artikel unverkürzt wiedergiebt, indem es ausruft: „Möge dieser hallende Weckruf zur nationalen Arbeit in den Herzen der akademischen Jugend noch lauge nachwirken und in ihnen jenen heiligen Ernst entfachen, der zum Ausharren im Siegfriedskampfe gegen den Drachen des inneren nationalen Feindes die Voraussetzung ist!" Man muß einräumen, daß sich der Vers, dessen bewußt war, daß er für die leicht zu entflammende akademische Jugend schrieb. Da bedurfte es offenbar nach seiner Auffassung nicht so sehr der reiflichen Ueberlegung und Erwägung, da kam es auf die Begründung der ausgestellten Behauptungen und Forderungen, auf die Prüfung ihrer Berechtigung nicht so sehr an, da genügten einige Schlagwörter, mit Emphase vorgebracht, um die Flammen der Begeisterung anzufachcn. Nun. wir glauben, daß sich Vers, in seinen Speculationen täuschen wird. „Fort mit allen Symbolen des Friedens und heraus das scharfe zweischneidige Schwert!" so ruft Vers. aus. Ja, zweischneidig nennt er es mit Recht, richtet es sich doch nicht nur gegen die Juden, sondern gegen den Culturfortschritt, den das deutsche Volk machte, als die Verfassung den Grundsatz ausstellte, daß aus dem Unterschiede der Religion keinem Staatsangehörigen ein Nachtheil erwachsen solle. Was erwartet und fordert der Siegfriedskämpe von der Zufunfi? Mit dem Gefühle großer Genugthuung stellt er — und leider nicht ganz unberechtigt — zunächst die Thatfache fest, daß die gesellschaftliche Isolierung der jüdischen Studenten heute Ln der Hauptsache vollzogen ist. Die gesammten angesehenen Couleurverbände, Corps, Burschenschaften, Landsmannschaften und farbentragendenTurnerschafteu, sowie die Hauptmasse der schwarzen Verbände, die akademischen Turnvereine, Gesangvereine und wissenschaftlichen Vereine schließen heute die Juden von der Mitgliedschaft ans. Und doch sollen aus diesen Reihen einst die Männer hervorgehen, die als Prediger den Satz