Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. 201

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Rechtsschutzbericht
Date
1902-04-01
Page
201 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316689-2316693-2329416--09419-2329490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jahresbericht. 201 noch erleichtert er ihm die Arbeit, sondern dem erschwert er dieselbe". Nun, m. H., wenn wir von diesem Gesichtspunkte das Schicksal unserer jüdischen Glaubensgenessen betrachten, so müssen wir des Dankes voll sein. Unsere Nechtsgeschichte zeigt einen dauernden Kampf. Es war uns niemals beschieden, mühelos Früchte einzuernten. Wirhaben mühsam das Wenige, das wir an Rcchtsboden besitzen, erworben. Es war uns niemals beschieden, uns mühelos des vorhandenen Besitzes zu erfreuen. Auf Schritt und Tritt mußten wir kämpfen, um unser Recht zu erringen und das errungene Recht zu behaupten. Unser Verein, m. H., ist stolz darauf, daß ec gerade in dieser Beziehung an die Spitze der Judenschaft — das können wir ja wohl sagen — getreten ist, daß er zuerst mit starker Stimme in die Judenschaft den Ruf gedonnert hat: „Helft euch selbst!" Unser Verein kann stolz darauf sein, daß dieser Ruf nicht verhallt ist, daß dauernd der Kreis seiner Mitglieder sich erweitert, und daß ihm aus der Zahl seiner Mitglieder immer neue Mitstreiter erstehen. Je weiter unser Mitgliedcrkreis wird, desto größer sind selbstverständlich die Anforderungen, die an den Verein gestellt werden. Wir können nicht überall helfen, wir können sogar in sehr vielen Fällen nicht helfen, und die Geschichte des letzten Jahres zeigt uns wieder Tage und Monate, wo Rothschrei über Nothschrei zu uns drang, und wo wir nicht helfen konnten. Es ist einmal sehr schön in unserer Zeitschrift unser Verein, in Anlehnung an ein bekanntes Bibelwort „eine Burg und eine Mutter der JudenheiL", genannt worden, eine Burg, in die der Verfolgte sich flüchten kann, um dort mit Gleichgesinnten zum Ausfall und zum Kampf sich zu rüsten, und eine Mutter, an deren Brust sich der Unglückliche ausweinen kann, wo Hilfe versagt. Rach beiden Richtungen hin, m. H., haben wir in der Berichtsperiode Gelegenheit gehabt, uns zu bethätigm. Die Kämpfe, auch wo sie vergeblich waren, haben uns nicht niedergedrückt, aus den vielen Hinderuisien, die wir zu überwinden hatten, haben wir die Kraft entnommen, immer mehr und mehr im Interesse der Sache zu leisten, der wir und der Sie Alle gern dienen. Der tägliche Kampf ums Recht hat die Fragen des Rechtsschutzes bei uns in den Vordergrund treten lassen. Es ist damit dem Verein eine Aufgabe gestellt, die weit hinausgeht über den Kreis der zunächst betheiligten Glaubensgenossen. Wir stellen einen Rechtsverein im idealsten Sinne des Wortes dar. Wir kämpfen für das Recht als solches, und das ist in unserer Zeit eine bedeutungsvolle Kulturmission. M. H., in unsererZeit, in der dem großen Bismarck sv viele kleine Bismarcke gefolgt sind, die sich so gern kräftig gebärdenr blickt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.