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Im deutschen Reich · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. 199

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Jahresbericht
Date
1902-04-01
Page
199 (sequence 7)
Language
German
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Jahresbericht. 109 Ich habe dann, wenn ich von politischen neueren Organisationen und Persönlichkeiten spreche, den „Deutschen Volksbund" zu erwähnen, der unter der Aegide des Antisemiten v. Mosch eine ganz besondere Rührigkeit entwickelt. Herr Hans v. Mosch, der in Verbindung mit Herrn I. Wilberg und noch einigen anderen Größen hier diesen Bund ins Leben gerufen hat, sagt in seiner Aufforderung zum Eintritt in den „Deutschen Bolksbund" ganz offen, es sei garnicht die Absicht dadurch auf die Wahlen einen direkten Einfluß zu gewinnen. Dieser Bund habe in erster Linie den Zweck, für solche Leute ein Unter« kommen zu beschaffen, welche sich von dem Antisemitismus nähren, welche genörhigt sind, von ihrem rednerischen oder von ihrem schriftstellerischen Talent zu ihrem Lebensunterhalt Gebrauch zu machen, und da sie nun bei dem Antisemitismus besonders gut fortzukommen glaubten, so sei es eben das Richtige, daß man für die Leute Stellen schaffe, daß man solche Redner ins Land schicke; alles andere würde sich später sinden. Der Dritte im Bunde ist Herr Dr. Böckel. Diese drei Redner durchziehen nun im Aufträge des „Deutschen Volksbundes" das Land und halten bald hier, bald dort ihre Reden gegen feste Eintrittspreise und haben ja, wie es scheint, auch Zuspruch genug, um wenigstens vor der Hand ihre Eristenz und die Eristenz des von ihnen herausgegebenen Organs, das den Namen „Die deutsche Hochwart" führt, fristen zu können. Das ist eine neue Erscheinung, und ich glaube, wenn man in der Bevölkerung, auch draußen in der Provinz, auf die man in erster Linie spekuliert, die wahren Ziele dieser Herren erkannt haben wird, dann werden sie auch abgewirtschaftet haben. Daß diese Bestrebungen einen dauernden Erfolg gegen uns haben werden, glaube ich billig bezweifeln zu müssen. Alle politischen Parteien wenden sich von diesen Herren Geschäftsantiscmiten durchaus ab, und wir haben das erfreuliche Schauspiel, daß die Preßfehden, die persönlichen Fehden in den Versammlungen zwischen diesen verschiedenen Gruppen garnicht aufhören. Neben dem „Deutschen Dolksbund" besteht ein „Deutscher Antisemitenbund" hier in Berlin, der namentlich ganz besonders von jenen Herren des „Deutschen Volksbundcs" aufs Korn genommen wird. Der „Deutsche Antisemitenbund" steht unter der Aegiee des Herrn Wilhelm Bruhn, des Herausgebers der „Staatsbürger Ztg.". Herr Wilhelm Bruhn, ist — das haben uns seine Widersacher aus dem Antisemiten-Lager erst kürzlich enthüllt -- vor wenigen Jahren freisinnig gewesen und hat in Weißensee bei Berlin sich, allerdings vergeblich, an der Kandidatur um ein dortiges Gemeindevertretermandat betheiligt. Als ihm das nicht gelang, da versuchte er bei den Anti-

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