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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 188

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Karl Emil Franzos [Rezension]
Date
1902-03-01
Page
188 (sequence 2)
Language
German
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188 Im deutschen Reich. das Schlimme an den Juden „nur Züge zeige, die auch die Christen an sich selber kennen oder wenigstens kennen sollten. Das Beste im Menschen aber wisse Franzos an seinen jüdischen Männern und Frauen bald in anmuthender Kleinmalerei, bald in erschütternd großen Strichen nachzuweisen." So hat das Buch mehr als manches andere apologetische Werk, indem es das Gerechtigkeitsgefühl bei den Gegnern weckte, die Abwehrbestrebungen gefördert und in unserem Sinne großen und rechten Nutzen gestiftet. Das gediegen ausgestattetc Buch verdient deshalb einen Platz in jeder gebildeten Familie, insbesondere in jedem jüdischen Hause. Als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens ziemt uns ein reges Mitgefühl mit unseren Glaubensgenossen in jenen Ländern, wo dieselben ohne die Segnungen deutscher Sitte und deutscher Bildung aufwachsen, unter drückenden politischen und unter traurigen wirthschaftlichen Verhältnissen dennoch selbst in der rauhesten Schale das bewahren, was als guter Kern des Judenthums zu betrachten ist, Glaubenstreue und Familiensinn. Jedes Land soll die Juden haben, die es verdient. Wenn wir in den neun Geschichten, in welchen Franzos „die Juden von Barnow" uns vorführt, dem „Milieu" volle Aufmerksamkeit schenken, dann müssen wir zu dem Ergebniß gelangen, daß auch die ungeschminkten Bilder jener Juden sich von ihrer Umgebung vortheilhaft abheben, daß jene Juden weit besser sind als ihr Ruf. Zu solck^em Urtheil gelangt der Leser noch mehr, wenn er die kürzlich erschienene 4. Auflage von Karl Emil Franzos' Werk „Aus Halbasien, Kulturbilder aus Galizien, der Bukowina, Südrußland und Rumänien", kennen lernt. Eine gründliche Besierung der Verhältnisse der dort lebenden Juden ist aber ohne'Gcsundung der allgemeinen politischen und wirthschaftlichen Verhältnisse in jenen Ländern kaum zu erhoffen. Gerade dort zeigt sich die unumstößliche Wahrheit des Satzes, „daß die Geschicke der Juden kennzeichnend sind für die Kulturstufe, auf der die Völker stehen, unter denen sie leben." A. L.

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