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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 182

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Nichtjüdische Leser dieser Zeitschrift
Date
1902-03-01
Page
182 (sequence 2)
Language
German
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182 Im deutschen Reich. Bei den Geschäftsantisemiten und in ihren Preßerzeugnissen gilt das Geschäft als Hauptsache. Die „Staatsbürger Zeitung" warnt davor, bei Juden zu kaufen, räumt aber den Inseraten, in welchen die. jüdische Firma Baer Sohn „Einsegnungs-Anzüge von 9 Mark an" empfiehlt und jedem Käufer eines Einsegnungs-Anzuges reizende unentgeltliche Beigaben verspricht, den besten Platz ein. Andere antisemitische Blätter erklären in fetten Lettern, daß bei ihnen „nur reelle christliche Geschäftsanzeigen" Aufnahme finden und bringen in derselben Nummer u. a. ein Inserat der österreichischen Jüdin Anna Czillag-Stern, deren Pomade den Damen Riesen-Loreley- Haar, den Herren kräftigen Bartwuchs schaffen soll. Die Bürger einer Stadt wie des ganzen Staates sind in unzähligen Beziehungen auf einander angewiesen; je friedlicher und einträchtiger sie mit einander leben, um so besser wird es bestellt sein um jeden einzelnen und um das ganze Vaterland. Fort mit allen Verdächtigungen und Verhetzungen, fort mit dem Mißbrauch der Religion zu geschäftlichen Zwecken, dann erst kann der Tag der Erweckung zu einem neuen Leben in Frieden und Wohlfahrt für das deutsche Volk kommen. Nur wer dem Frieden nachstrebt, die ganze Menschheit liebend umfaßt und solche Gesinnungen auch seinen Kindern einprägt, kann zuversichtlich und freudig an die Zukunft seiner Kinder denken. F. S. Berlin. Die agrarische „Deutsche Tageszeitung" wetteifert mit den schlimmsten Antisemitenblättern in Bezug auf gehässige Aeußerungen,. so daß der Ton des Herrn Sedlazeck und Ahlwardt im Vergleich mit dem in dem Organ des „Bundes der Landwirthe" zuerst angeschlagenen fast noch vornehm erscheint. Einen Bericht über die einen russischen Handelsmann, Isaak Betschkowsky, betreffende Untersuchung überschreibt das Blatt des Dr. Oertel geschmackvoll: „Herr Isaak mit den Ersparnissen"; und sagt dann weiter, der Biedermann, der seine „Ersparnisse" in seinen Rock eingenäht hatte, habe wegen Betrügerei und Führung eines falschen Namens längeren Aufenthalt im Gefängniß erhalten. Dann fügt der ehemalige Leipziger Jugenderzieher hinzu: „Sollte hiernach Herr Isaak Betschkowsky Berlin mit seiner ständigen Gegenwart beehren, hier ein solides Kommissionsgeschäft gründen und Vorsitzender eines freisinnigen Bezirksvereins werden, so kann er es bei seinen Talenten noch weit bringen. Im Grunewald ist noch auf Jahre hinaus Bauplatz fürprominente Leute." — Wie weit es der „prominente" Reichstagsabgeordnete mit der fleckenlosen weißen Weste bei seinen

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