Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Nichtjüdische Leser dieser Zeitschrift
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 181 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Briefkasten der Redaktion. NichLjüdLsche Leser dieser Zeitschrift. Auch in die Vorbereitungen zum christlichen Osterfeste klingen seit einiger Zeit alljährlich Mißtöne, die im schroffsten Gegensatz stehen zu dem Gebote der Nächstenliebe. Antisemitische Hetzer geben in Leitartikeln und Flugblättern die Losung aus: „Kauft Konfirmations-Geschenke nicht bei Juden." Unmöglich ist dies eine Bekundung wahrhaft christlich-deutscher Gesinnung, hohe religiöse Feste zum Vorwand zu nehmen, um die niedrigsten Triebe des Menschenherzens, Mißtrauen, Neid und Haß zu entfachen! Unmöglich ist es eine würdige Vorbereitung zu einem religiösen Feste, unter Berufung auf die Religion Flugblätter zu verbreiten, deren letzter Inhalt doch weiter nichts ist als: „Kauft nicht bei anderen, sondern kauft bei mir!" Kein Schacher und kein Wucher ist so nichtswürdig, als das Schachern und Wuchertreiben mit der Religion. Laffe man sich sich also nicht bethören durch gewerbsmäßige Hetzer, die aus der Religion ebenso ein Geschäft machen, wie aus dem Patriotismus; frage man bei Einkäufen nicht nach Abstammung und Glaubensbekenntniß des Verkäufers, sondern nur danach, wo man ehrliche Waare zu angemessenen Preisen bekommt. Was schlecht und theuer ist, wird darum nicht besser und billiger, wenn es von einem Christen verkauft, und was reell und preiswürdig ist, wird darum nicht schlechter und minderwerthig, weil es ven einem Juden verkauft wird. Was hat das Geschäft mit der Religion zu thun? Wie es Schwindler giebt unter Juden und Christen, so wird man ehrlichen Handel und preiswerthe Waare finden bei Juden und Christen, und nur darauf darf es ankommen. Mißtrauen verdienen aber diejenigen, die unlautere Concurrenz betreiben, indem sie ihre Religion als Reklame für ihre Waare benutzen.