Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 150 (sequence 22)
- Language
- German
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lf>0 Im deutschen Reich. oder nach ihrer Annahme ein einzelner Jude irgendwelchen Schaden zugefügt hat. Als solcher Schaden wird aber schon von vielen eine Verletzung des ästhetischen Gefühls betrachtetet. Zur Kleidung des Ghettos können wir übrigens garnicht zurückkehren; denn sie war durchaus keine orientalische, sondern die allgemeine Tracht des Vürgcrstandes im 15. und in dem Beginn des 16. Jahrhunderts,*) an der man im Ghetto festhielt, als die Umgebung zur Pluderhose und anderen Trachten überging. Wir muffen also sowohl um unserer selbst wie um unserer Mitbürger willen die von Graf Coudenhove gerügten Ueberreste der Folgen einstigen Ghettozwauges aufgeben. 3. Wie wir im Centralverein berechtigte Beschwerden unserer Mitbürger durch Selbstvervollkornnrnung zu beseitigen wünschen, so wollen wir auch Selbstvertrauen und Selbstachtung unter uns heben, die leider durch die stets wiederholten Verleumdungen der Antisemiten gelitten haben. Giebt es doch viele Juden, welche in Unkenntniß unserer großen Vergangenheit die ererbte Gemeinschaft gering schätzen! Cs wäre gut, wenn unsere Mitglieder solche Individuen auf folgende Worte in dem Buche des katholischen Edelmannes aufmerksam machten: S. -180: „Ja viele" Juden ,,wurden selbst Antisemiten, so ziemlich das NON plus ultra der Gemeinheit". S. 468: „Daß es Juden giebt, welche ihre Zugehörigkeit zu diesem großen Volke verleugnen, statt sich ihrer, wie der große (getaufte) Lord Beaconsfield, zu rühmen und stolz mit Urtel Acosta zu rufen „Ihr dürft mir fluchen, denn ich bin ein Jude", das ist schmachvoll." 4. An den Schluß dieser Betrachtungen glaube ich ein Wort Graf Coudenhove's setzen zu müssen, von dem er es gewiß gern sehen wird, daß wir es auch als zu uns gesagt betrachten: „Arbeiten wir nur alle daran, daß der Antisemitismus, in welchem wir ein übrig gebliebenes Monstrum längst vergangener Zeiten erblicken, recht bald irgendwie das Ende nehme, welches er verdient. Unsere Zeit des Fortschritts und der Arbeit hat noch größere und interessantere Probleme zu lösen." *) Daß der in manchen österreichischen Provinzen von unseren Glaubensgenossen getragene Kaftan, die „Schubize" einfach mit der altdeutschen ..Schaube" identisch ist, welche als „langer Rock mit weiten Aermeln wie ein Schlafrock die Füße umwallend" erklärt wird, lehrt ein Blick auf die Abbildungen 195, 200, 204, 205, in v. Falke „Costümgeschichte".