Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-02-01
- Page
- 105 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 105 Wirlh bat mich um meine Karte, um nachträglich die Eintragung in ein anzuschaffcndcs Fremdenbuch zu bewirken und ich gab ihm meine und meiner Tochter Karten, welche lediglich die Namen Adolph L. Sußmann, Schwerin i. M. und Hedwig Sußmann trugen. Wenn der Franzose daraus einen Monsieur und Madame Sußmann machte, so ist das nicht meine Schuld. Das ist der Thatbeftand, aus welchem sie einen gehässigen, ja (?) perfiden Angriff auf mich formulierten. Hätte ich übrigens mich in einem Lande, in dem ich mich in deutscher Sprache nur in sehr beschränktem Maße, in Französisch jedoch allenthalben verständlich machen kann, der letzteren bedient, so würde kein vernünftiger und anständiger Mensch darin etwas gefunden haben, das einer Rüge werth wäre. Sie aber machen mir in Ihrer weitverbreiteten Zeitung den Vorwurf internationaler, also undcutscber Handlungsweise. Ich muß diesen Vorwurf mit aller Entschiedenheit zurückweisen, so lange Sie diesen Vorwurf nicht auch Ihren Gönnern, den deutschen Gesandten, Grafen, Räthen u. s. w. u. s. w. machen, die sich, wie ich es auf meinen Reisen in vier Erdtheilcn gesehen habe, in allen nichtdeutschen Ländern als Embassadeur de X.. Comte de Y. und Conseiiler de Z. in die Fremdenbücher schreiben! Ist es auch bei diesen Herren die „Sprache der Alliance Israelite Universelle'1, die sie benutzen? — Vor einigen Tagen veröffentlichten die ' iefügen Schweriner Zeitungen ein bei einem Hofball im hiesigen Großbcrzoglichen Swleß benutztes „Menu", welches durchweg in der „Sprache der All. Jsr. lluiv." ausgearbeitet war. Mecklenburg ist ein urdcutsches Land, in welchem sich mit Deutsch bedeutend besser auskommen laßt, als in Palästina. Steht nun, angesichts des französischen „Menus" der Großberzoglichen Mecklenburg - schwerinschc Hof auch auf der „Hohe jüdische Kultur"? Sie werden sich nickck weigern, entweder das letztere zuzugeben oder den frivolen (!) Angriff auf mich in geeigneter, der Wahrheit entsprechenden Weise zurück zu nehmen — d. h. wenn Sie denjenigen Fonds von deutscher Ehre und Redlichkeit, auf den Ihr Blatt für sich den größten Anspruch erhebt, in sich haben. In den von „deutsch-jüdischen Geldern" gehaltenen Schulen in Palästina wird Deutsch und Französisch gelehrt, gerade wie in Deutschland. Ist doch auch bei uns die genaue Kenntnis der Sprache der „All- Israel- Univ.'* Bedingung für fast alle Eramina. — Jbrer merkwürdigen Logik zufolge steht also ganz Deutschland, soweit es die gebildeten Stände angeht, „auf der Höhe jüdischer Kultur". Das ist sehr schmeichelhaft für meine Glaubensgenoffen und für den Schweriner Juden Adolph L. Sußmann." — Hoffentlich ist Herr