Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-02-01
- Page
- 91 (sequence 1)
- Language
- German
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91 Pmschan. das Eisen von den Menschen zuerst nutzbar gemacht werden sollte, jo heißt es in einer alten Sage, ging ein ängstliches Rauschen durch den Wald, denn die Bäume fürchteten, daß das Eisen sie fällen werde. Dom Himmel herab flüsterte aber eine Stimme den zitternden Bäumen zu, daß der Stahl ihnen nichts werde anhaben können, wenn sie nicht selbst die Stiele zu den Aerten liefern wurden. Am 16. Januar waren hundert Jahre seit dem Tage verflossen, an dem einem jüdischen Elternpaare namens Schlesinger ein Knabe geboren wurde, der 18 Jahre später, obgleich als strenggläubiger Jude erzogen, zum Christenthum übertrat, und dann unter dem Namen Friedrich Julius Stahl als Rechtsphiloscph und Ttaatsrechtslehrer im geistigen und politischen Leben in Berlin eine führende Rolle spielte, als Mitglied des evangelischen Obcrkircheurathcs der eifrigste Vorkämpfer des orthodoren Christenthums war, in den Stürmen des Jahres 1848 den Monarchisten die Lesung „Autorität, nicht Majorität" gab und ein Jahr später als einflußreiches Mitglied des preußischen Herrenhauses durch Begründung der feudalen „Fraktion Stahl" den Grundstein zu der heutigen konservativen Partei legte. Sein System wurzelte in der Behauptung, daß nach der biblischen Lehre vom göttlichen Ursprung der Obrigkeit der Staat eine göttliche Einrichtung sei.; ihm verdankt man auch zum großen Theile die Verquickung von Staat und Kirche durch das erst in den letzten Jahrzehnten zur verhängnißvollen Wirkung gelangte politische Schlagwort des ,christlichen Staats". Diese Idee, welche mit den mittelalterlichen Ueberlieferungen der „Heiligen Allianz", aber nicht mir dem einer fortgeschrittenen Kultur entsprechenden Begriff des interkonfessionellen Staates zu vereinbaren war, erwies sich als der Stahl, zu dem leider jüdisches Holz den Stiel geliefert hat. Daß ein ehemaliger Jude der geistige Nährvater der heftigsten Gegner der jüdischen Gleichberechtigungsbestrebungen war, daß ein solcher das System geschaffen hat, dem die Antisemiten ihre Erfolge verdanken, gehört zu den sonderbaren Vorkommnissen unserer Zeit, die es oft recht schwer machen, keine Satiren zu schreiben. Als