Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1902)
- Article
- Allerlei Jüdisches
- Date
- 1902-02-01
- Page
- 77 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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einerlei Jüdisches. 77 Simon T. war ein braver, tüchtiger, Pflicht treuer Mensch, ein vortrefflicher Stenograph, hatte auch was gelernt. Er stammte aus Galizien und studierte nun in Wien -Philologie. Er hatte nur Zwei Schwächen. Erstlich mauschelte er, wie ich nie einen gebildeten Menschen habe mauscheln hören. Sein Deutsch war der Triumph, der Enthusiasmus der Manschelei. Aber er mauschelte nicht bloß mit Mund und Lippen, auch nicht bloß mit Händen und Füßen, sondern mit dem ganzen Körper. Und dabei war seine zweite Schwäche, sich um Himmelswilleu nicht als Juden zu erkennen zu geben. Eines Tages kommt Simon T. zu mir und zeigt mir erfreut ein glänzendes Colloquien-Zeugniß des Professors Emanuel Hoffmann. „Es ist Alles gut gegangen," jagt er. „Aber mir scheint, Hoffmann ist ein Judenfeind." (Das Wort „Antisemit" war damals noch nicht erfunden.) „Was Ihnen nicht einfäUt," erwidere ich. „Ich kenne ihn ja! Woraus schließen Sie das?" Timon T. wiegt sich in den Hüften hin und her. „Woraus? Er hat mir ja eine Falle gestellt! Aber wer geht nicht in die Falle? Ich! Fein habe ich mich herausgezogen." Er sch; Kzte mit der Zunge: „Sehr fein!" „Was war das für eine Falle?!" „Er will wissen, ob ich ein Jud' bin. Fragt er mich: „Herr T.," fragt er, „Sie haben ja etwas Tüchtiges gelernt; aber wie kommen Sie zu diesem argen Mauscheln?" Natürlich will er, soll antworten: „Weil ich ein Jud' bin." Was aber sag' ich? „Herr Professor," sag' ich, „erstens glaub' ich nicht, dah ich mauschle. Zweitens: wie soll ich nicht mauscheln? Ich bin nämlich aus Galizien! Dort wohnen doch so viele Juden! Mit sie habe ich verkehrt, von sie habe ich es mir angewohnt!" — —