Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. 65

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Der Antisemitismus in der Schweiz
Date
1902-02-01
Page
65 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2316602-2316689-2316691-2329097--09163-2329172
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zeitschrift des CtlltrlllStltiüs kuWer StaaBöörgcr Wisches 61aukn§. 3S* rf DrscheinL jiuclfntöl im Zahrr. -=^-= VIII. DcrHrg. Berlin, Februar 1902. 'Alv. 2. Der Antisemitismus in der Schweiz. die himmelblaue Fluth der Rhone dem Genfer See entströmt, steht auf einer Insel unter schattigen Bäumen das Denkmal des großen Denkers, der einst in der Schweiz über jene bahnbrechenden Gedanken sann, die wie der Rhonestrom zunächst nach Frankreich drangen, aber bald auch in andern europäischen Staaten dazu anregten, die Ketten der Geistesknechtschasl abzustreisen. Was Jacques Rousseau aus dem Boden der Schweiz, erhellt von Lichtstrahlen edler Freiheit und allumfassender Menschenliebe, empfand, ließ auch in der Dichtcrseele eines deutschen Jünglings die Pläne zu dramatischen Verherrlichungen der Freiheit keimen, welche ihre schönste Blüthc in der Dichtung „Wilhelm Teil" entfalteten, deren Märchenduft noch heute die Gestade des Vierwaldstätter Sees wunderbar umwebt. Auf einer Insel des Züricher Sees hatte aber lange vorher schon Ulrich von Hutten seine letzten Tage verlebt, jener Geistesheld, der es „gewagt mit Sinnen" die Lanzen der Dunkelmänner zu brechen, und wie Arnold von Winkelried, selbst verblutend, der Freiheit eine Gasse zu bahnen. Eigentlich sollte man dort, wo die Wellen derart geweihter Seen himmelhohe Berge umspülen, denen Schiller nachrühmte, daß auf ihnen die Freiheit wohne, nur solche Männer sindeu, denen jede politische und religiöse Engherzigkeit fremd ist. Dort sollte man jedem Mitmenschen nicht nur gleiche bürgerliche Rechte, sondern auch volle Gedankenfreiheit gönnen; dort sollte man nicht alle Mitbürger nach einer Schablone drillen wollen, sondern „jeden nach seiner Fa§on selig werden lasten".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.