Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Jüdische Krankenpflegerinnen [Rezension]
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 62 (sequence 3)
- Language
- German
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G2 Im deutschen Reich. Kenntnis; derselben besitze. Denn: „Eine jüdische Krankenschwester, die nichts auf ihre Religion hält, ist ein Unding." Nun kann man sehr wohl etwas auf seine Religion halten, ohne rituell erzogen zu sein, und wo sollen nach Ansicht des Vcrf. die nicht orthodoxen Jüdinnen bleiben, die gern Krankenpflegerinnen werden wollen? Diese müssen also es auf eine der von mir erwähnten Arten werden, und so bleiben die jüdischen Schwesternschaften, von denen später gesprochen wird, nur für orthodoxe Jüdinnen, die ja auch schon der Speijegcsetze wegen nicht in andere Vereinigungen cintreten könnten. Eben so wenig dürften solche aber auch jede Privatpflege bei nicht orthodoxen Juden annehmen, da sie dort vieles verletzen würde. Es war von vornherein meine Ansicht, das; die jüdischen Schwesternschaften eben nur für die orthodoxen Jüdinnen ein Rothbehelf sein müßten. Wem es die Auffassung seines Bekenntnisses irgend wie erlaubt, der sollte sich nicht in eine solche Schwesternschaft flüchten. Die Befürchtung, daß es außerhalb des Schwesternverbandes schwer sein möchte, einen gesicherten Lebensunterhalt zu finden, scheint mir unbegründet, da es doch genug sowohl öffeniliche wie Privatklinikcn und Sanatorien giebt, die gut geschulte Pflegerinnen brauchen und, falls noch irgend ein Vorurtbell befürchtet wird, so weise ich daraus hin, daß gerade PrivaMiniken und Sanatorien sehr häufig von jüdischen Aerzten geleitet werden. Vollkommen einverstanden wird jeder mit dem Weiteren sein. Es heißt dort: „Sollte denn das Jndenthum, das sonst in allen Werken der Barmherzigkeit ein glänzendes Beispiel giebt, sich gerade diese Art der werkthätigen Nächstenliebe entgegen lassen? Sollten wir nicht bestrebt sein, das Gute, welches unsere Kranken durch die liebevolle Pflege andersgläubiger Krankenschwestern schon oftmals erfahren haben, dadurch zu vergelten, daß recht viele jüdische Frauen diesen segensreichen Dienst jedem Bedürftigen ohne Ansehen seines Glaubens leisten. Gewiß! und cs ist doch eigentlich selbstverständlich, daß die Pflegerin ebenso jedem ohne Ansehen der Person oder gar des Bekenntnisses hilft, wie der Arzt das thut". Weiter werden die Vereine für jüdische Schwestern aufgczählt. deren erster 1893 in Frankfurt durch Meier Schwarzschild, deren zweiter in Berlin auf Veranlassung von Louis Sachs und Frau Gerson-Lrebermann entstand. Beide Vereine vergrößerten sich rasch, so daß zur jüdischen wie christlichen Armenpflege, sowie in die verschiedenen Spitäler nnd Heime Schwestern entsandt werden konnten. Im Jahre 1899 wurden in Cöln und Breslau weitere Vereine für jüdische Krankenpflegerinnen begründet. Im Jahre 1900 faßte der