Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 36 (sequence 12)
- Language
- German
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36 deutschen Reich. in befreundeten Nachbarstaaten nicht ungehindert fortwuchern zu sehen. Wie sich Juden dabei zu verhalten haben, hat kürzlich ein Herr Isidor Spielmann gezeigt, welcher die ihm für die geplante allgemeine russische Ausstellung angebotene Leitung der englischen Kunftausstellungs-Abtheilung mit der Begründung ablehnte, daß er als Jude nicht einmal russischen Boden betreten dürfe. Der englische General- Kommissar, dem diese Mittheilung unglaublich erscheinen mochte, wandte sich um Auskunft an den russischen Eonsul, welcher antwortete, daß allerdings ausländischen Juden das Betreten russischen Bodens verboten, er aber bereit fei, den Paß des Herrn Spielmann zu visieren, falls derselbe von seinem Bankier eine Bescheinigung beibringe, daß er in London „eine große Stellung" einnehme. Spielmann lehnte dieses Anerbieten mit der treffenden Bemerkung ab, er wisse nicht, was der russische Consu! unter einer „großen Stellung" verstehe, er weise es weit von sich, eine Gefälligkeit anzunehmcn, welche andern minderbegünstigten Juden versagt werde, und einem Lande, das seine Glaubensgenossen so zurücksehe, einen auch noch so geringen Dienst zu leisten. Unseres Wissens haben deutsche Aerzte jüdischen Glaubens ähnliche Mittel, den Eintritt in Rußland zu erlangen, schon früher ebenfalls mit Entrüstung zurückgewicsen. Der Tropfen höhlt den Stein — Selbstzucht, Selbstachtung und zähes Fordern der Menschenrechte sind die besten Mittel, unser großes Ziel zu erreichen: „Die Anerkennung der Gleichberechtigung aller Menschen eine Wahrheit!" A. L.