Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Das Rabbinerkolleg in Italien
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 18 (sequence 11)
- Language
- German
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18 Im deutschen Reich. fort allgemeine Achtung und allgemeines Wohlwollen in Florenz erwarb. Ihm ward 1)r. Gino Morpurgo aus Padua beigegeben, welcher sich an dieser Universität durch die Tüchtigkeit und den Emst, mit dem er die Studien betrieb, ausgezeichnet hatte. Da jedoch aus formellen Rücksichten und aus gesetzlichen Gründen ein Theil der Autorität der Repräsentantenversammlung in Rom verbleiben, ein anoerer auf die von Florenz übergehen mußte, so wurde, um den tägächcn disciplinarischen und Verwattungöanforderuugen des wicdererstandenen Instituts zu entsprechen, eine besondere Kommission ernannt. Diese ward zusammengesetzt aus folgenden hervorragenden Persönlichkeiten der italienischen Glaubensgemeinde: Professor August Franchetti. Präsident der Florentiner Gemeinde, Professor Moise Jinzi, Professor Cesare Finzi, Komthur Eduard Philipson, Stadtrath für die Polizei der Stadt Florenz, Cesare Olivetti und Pellegrino Noselli Die Ergebniffe der zwei lüsher verflossenen Jahre lasten sich als ermutbigend für die Gegenwart und als noch mehr versprechend für die Zukunft bezeichnen. Es hat sich in Italien ein wehlthuender Aufschwung für die heiligen Studien kuudgegeben, der noch andauert. Viele edeldenkeude Glaubensbrüder gaben durch Geldbeiträge ihre Sympathien für das Kolleg kund. Zahlreiche Genossenschaften gaben ihre volle Genugtuung zu erkennen, unsere sowohl wie die ausländische Presse unterstützten das Kolleg durch ihren Beifall und ihre Ermunterung. Das Florentiner Institut schreitet schnell und regelrecht vorwärts. Es ist in j;i öaen Räumlichkeiten untergebracht, welche allen Anforderungen entspr chen, und reichlich mit alten und modernen Hilfsmitteln, welche für die rabbiuijchen und weltlichen Studien nothwendig sind, ausgeftattet worden. Und in diesem Jahre hat es sich durch Erwerbungen und durch Geschenke von Privaten eine Bibliothek gebildet, die bereits für die Bedürfnisse einer umfastenden Bildung ausreicht. Die materiellen Resultate sind schon in der kurzen Zeit des Bestehens erfreulich. Das Kolleg ward in Florenz im Jahre 1899 mit elf Schülern, welche den statutenmäßigen Anforderungen entsprachen, eröffnet. In Rom hatte man niemals auch nur die Hälfte dieser Ziffer erreicht. Heute ist die Schülerzahl bis auf 20 gestiegen, ja man könnte sagen auf 22, wenn nicht zwei von ihnen, nachdem sie die schweren Prüfungen bestanden hatten, aus dem Institut ausgetreten wären, um an hervorragenden jüdischen Gemeinden des Königreichs ein Kultus¬ oder Lehramt anzunehmen. Das Metall beginnt bereits aus dem Bergwerk sauber und edel herauszukommen. Lang ist der bereits zurückgelegte Weg, doch fordert er zu anderen größeren und dringenderen