Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1902)
- Article
- Das Rabbinerkolleg in Italien
- Date
- 1902-01-01
- Page
- 10 (sequence 3)
- Language
- German
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10 Hm deutschen Reich. die religiösen Hebungen aufzugeben, die heilige Sprache ward vernachlässigt, man zog ihr andere Studien und andere Idiome vor, welche für das praktische Leben von größerer Bedeutung waren. Und endlich fühlten sich die jungen italienischen Israeliten, nachdem sie die Doktordiplome erlangt hatten, von dem Gedanken geschmeichelt, Rechtsanwälte, Aerzte, Ingenieure, Lehrer, Bank- oder Staatsbeamte zu werden, anstatt nach Padua zu gehen und sich dem Rabbinat zu widmen. Diese große und allgemeine Schwierigkeit, im alten Glaubenskreise zu bleiben, während man auf das unbegrenzte Gebiet des modernen Fortschrittes überging, beeinträchtigte allmählich die Eristenz des paduanischcn Kollegs und drehte es seinem Ende entgegenzuführen. Um eine so große Gefahr zu beschwören, wurde im Jahre 1867 nach Florenz ein Kongreß berufen. Er bestand ans zwanzig durch Namen, Frömmigkeit. Gelehrsamkeit und Rcichthum hervorragenden Persönlichkeiten, welche ebensoviele israelitische Gemeinden vertraten und die Aufgabe hatten, den ernsten Stand der Dinge zu prüfen und über das, was am besten zu tf)im wäre, zu beraten und zu beschließen. Die dabei geäußerten Meinungen waren verschiedener Art. Doch ergaben sich die meisten nicht in die thatjächlichen Verhältnisse: sie wollten noch ausharren und kämpfen, um einen Körper zu galvanisieren, welcher bereits in Folge von Auszehrung mit Mühe arbeitete. Zu diesem Zwecke sprach der Florentiner Kongreß seinen Wunsch dahin aus, daß die Schule erhalten bliebe und nicht nur nicht eingeschränkt werde, wie einige rictben, sondern im Gegentheil, durch offizielle Ausdehnung auf ganz Italien noch zu erweitern sei. Es ward durch feierliche Abstimmung festgesetzt, daß alle israelitischen Gemeinden des Königreiches sich im Gedanken, im Herzen und mit Kraft vereinigten, um sich der Genossenschaft von Padua anzuschließen und moralisch wie materiell zu ihrer Wiederbelebung und Auferstehung mitzuwirken. Dieser Versuch fiel vollkommen ins Wasser. Tie erhofften und von den größeren und kleineren Zentren Italiens verlangten Beitrittserklärungen blieben aus. Als die Genossenschaft von Padua dann sah, daß sie allein dastand und machtlos war, verzichtete sie auf eine Fortsetzung des unnützen Kampfes und legte die Waffen nieder, indem sie sich auflöste. Doch wenn die Genossenschaft auch die Waffen niederlegte, so waren andere schnell bereit, sie arrfzirnehmen. Die zwanzig Delegierten des Florentiner Kongresses ergaben sich noch nicht in den Fall der Paduanischen Schule. Es bildete sich ein neues Komitee, ausgerüstet mit bedeutenden Mitteln, um das Unternehmen von neuem