Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- The Jewish Encyclopedia [Rezension]
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 650 (sequence 4)
- Language
- German
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■650 'i\m bcut|ck‘n Neich. werden kann, das beweist der vorliegende erste Band. Da sie aber nicht eine bloße Compilation des durch di? Jahrhunderte ange'oäuften Stoffes in 12 Bänden sein will, sondern vielmehr auch eine Mission der Aufklärung und Berichtigung von Jrrthümern und Vorurthcilcu für sich in Anspruch nimmt, wird sie zugleich eine höchst beachtens. werthe Erscheinung vom Standpunkt und für die Leser dieser Zeitschrift als des hervorragendsten Organs zur Bekämpfung des Jrrthuins und des Vorurtheils. Wir beklagen uns über das Dorurtheil als über die biährqnelle oder den Mutterboden des Antisemitismus. Hundertmal mag cs wiederlegt sein, das Borurtheil erhebt dennoch sein Haupt. Wie sagte doch Mendelssohns „Man kann einem verjährten Borurtheil alle Wurzeln durchichneiden, ohne ihm die Nahrung gänzlich zu entziehen: cs saugt solche allenfalls aus der Luft." Sind diese aus der Luft gegriffenen Borurtheile nicht oft genug in Büchern mit der Fackel der Wahrheit und Wissenschaft beleuchtet worden ff Aber diese Bücher scheinen nur geschrieben, um nicht gelesen zu werden, besonders von denjenigen, die der Belehrung am me.sren bedürfen. Und dennoch kann unserer Zeit ein stackes und allgemeines Streben nach Wissen und Bildung nicht abgesprochen werden. Aber es ist das Wissen und die Bildung des Konversationsleritons. Man will die Wahrheit nicht suchen, man will sie finden und mundgerecht haben wie auf einer gedeckten Tasel. Darum kommt gerade die „Jewish Encyclopeiiia“ einem Bedürfnis; unserer Zeit entgegen, und wenn sie helfen und beitragen wird, Gerechtigkeit und Wahrheit, wie ihre Losung lautet, in jüdischen und nichtsüdischcu A\reifen über das wenig gekannte und darum viel verkannte Judentlmm zu verbreiten, daun wird man sie nennen dürfen „Führer der Verirrten". Die Kritik bat das Werk mir einstimmiger Anerkennung begrüßt. Die Herausgeber freilich sagen: wir wollen nicht gelobt, wir wollen kritisiert werden. Das ist leichter gewünscht als gethan. Um ein. so voluminöses Werk kritisieren zu können, dazu müßte man das Waffen der fämmtlichen 4—500 Mitarbeiter des Werkes in sich vereinigen. Angesichts einer solchen Leistung ist nicht die Kritik am Platze, sondern die Anerkennung. Gelingt das Werk, woran kaum noch zu zweifeln ist, dann wird es für die Wissenschaft des Judenthums sein ein nwmirnentum aero psrennius! Bamberg. vr. A. Eckstein. -2H Für die Redaktion verantwortlich: Alphouse Levy, Berlin.