Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 648

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
The Jewish Encyclopedia [Rezension]
Date
1901-11-01
Page
648 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316676-2316687-2328625--08903-2328736
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

648 vi'm deutschen Sieid). Deutschland und Europa stammende Gelehrte waren, welche die vielleicht noch höher als Mammon zu veranschlagenden Kosten des Geistes für das große Unternehmen tragen und decken. Rosenkranz in seiner Vorrede zu Kant's Werken macht von diesem Heros des deutschen Geistes die Bemerkung: Seine Werke machen den Eindruck eines gothischen Baues, dessen kolossale Massen den Betrachter schon aus der Ferne mit Staunen auf das Ganze blicken lassen, bis wir näher hinzutreten und bemerken, das; auch jeder einzelne Stein den Eindruck des Stannenswerthcn in uns hervorruft. — Das Jndenthum hat keine gothischen Synagogen gebaut, wenigstens kommen sie im Vergleich zu den gothischen Domen gar nicht in Betracht. Aber an gordischen Tempeln des Geistes, gebaut für die Ewigkeit, staunenswerth im Ganzen wie im Einzelnen, fehlt es dem Judenthum nicht. Man denke nur an den aus 66 Tractateu bestehenden und in der gewöhnlichen Ausgabe 2074 Foliofciten umfassenden Talmud, der ja gleichfalls, wenn and) nicht in der Form, eine Eneyclopädic des Judcnthums ist, an welcher mehrere 100 Gelehrte mehrere Jahrhunderte hindurch gearbeitet haben und deren Redaktion m hr als vri Jahrhundert des angestrengtesten Sammelfleißes in Anspruch genommen haben soll. Seit dem 'Abschluß des Talmuds und besonders seit der Renaissauee der Wissenschaft des Judenthums sind in zahllosen Einzelschriften Gedanken zu Tage 'gefördert und Bausteine ausgestrent worden über das weite Feld jüdischen Geisteslebens, die selbst von einem Maimonides der Neuzeit kaum noch übersehen und verarbeitet werden können. Diese zahllosen Einzelschriften in encyelopädijcher Form zu einem „Buch der Bücher" zu verarbeiten und ans all den verstreuten Bausteinen durch Association der Arbeitskräfte ein Monumentalwerk aufzurichten, das als Ganzes durch seinen Umfang und im Einzelnen durch die Gründlichkeit der Forschung ein Gegenstand des Staunens wäre, das ist eine des 20. Jahrhunderts würdige Aufgabe. Auch Bücher haben ihre Geschichte und ihre Schicksale. An Versuchen und Unternehmungen zur Lösung dieser großen und schwierigen Aufgabe hat es in der Vergangenheit keineswegs gefehlt, aber alle diese Versuche von denjenigen des gelehrten Arztes Js. Lampronti aus Ferrara, der im 18. Jahrhundert ein erst 140 Jahre nach seinem Tode im Drucke erschienenes Realmörterbuch des Talmuds „Pachad Jizchak“ verfaßte, bis zu der mit den Nachträgen erst unlängst vollendeten Encyclopädie von Hamburger, die für Bibel und Talmud ein wichtiges Nachjchlagebuch bleiben wird auch für diejenigen, die sie bemängeln und herabsetzen, alle diese mit unzuiäng-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.