Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 638 (sequence 6)
- Language
- German
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638 Im deutschen Reich. mußten, daß insbesondere die Thätigkeit der Rechtsschutz-Kommission vielfach mit Erfolg gekrönt gewesen ist. Diesem hocherfrenlichen Berichte glaubte der Leiter der Versammlung auch einen Hinweis auf die unerfreuliche Thatsache hinzufügen zu müssen, daß der „wissenschaftliche Antisemitismus" mehr als je einer entschiedenen Abwehr bedürfe. So sei es unbedingt uöthig, gegen Auffassungen anzukämpfen, wie sie in dem „System der Ethik" von Professor Paulseu enthalten seien. In diesem Buche bezeichne es ein Mann, der an hiesiger Universität Eihik lehre, als unerträglich, daß deutsche Inden als Aerzte, Rechtsanwälte, Lehrer u. s. w. in Deutschland wirken. Ein Mann der Wissenschaft, ein Lehrer der Ethik dürfe keinen Anstoß daran nehmen, daß deutsche Juden in allen Berufen, für welche sie die Fähigkeit besitzen, sich bethätigen. Von ihm dürfe man etwas Anderes erwarten als von den Antisemiten der Gasse; er müsse die Empfindung haben, daß es unrichtig und unpassend sei, Menschen generell nach ihrer Abstammung oder ihrem Glaubeusbekenntniß, statt nach dem Werthe ihrer Persönlichkeit und ihrer individuellen Bedeutung abzuschätzen; er düife als Erhiker nur danach fragen, ob der Mann seine Stellung ausfülle und in derselben seine Pflicht thue. Wenn die antisemitische Strömung in ihrer unheilvollen Wirkung dahin gekommen sei, selbst das Urtbeil der Gebildeten so weit zu verdunkeln, daß sie das Prinzip der Menschlichkeit und das Wesen der Persönlichkeit in dieser Weise verleugnen, dann müssen wir dagegen mit allen geistigen Waffen ankämpfon und uns zu diesem Kampfe mit dem Geiste der Etbik rüsten, den wir aus der Lehre des Judenthums schöpfen können. Dazu sei cs hohe Zeit, wenn selbst ein freisinniger Geistlicher und Lehrer der Theologie au der hiesigen Universität, Herr Professor Dr. Harnack, in seinem Werke über das „Wesen des Christenthums" Dinge lehre, durch welche leicht schwankende Gcmüther unter unseren Glaubensgenossen verwirr! werden zu meinen, es sei das Jndenthum dem Christenthum gegenüber inferior. Wenn wir solches lesen und hören, dann ist es dringend nothwendig, daß wir uns mit dem Wesen unserer Religion und der Geschichte unserer Vorfahren vertraut machen und uns mit jenen geistigen Waffen ansrüsten, welche uns fähig machen, den Kampf um unsere höchsten Güter ruhmvoll zu bestehen. Unter lebhaften Kundgebungen begeisterter Zustimmung seitens der Versammlung erfolgte der offizielle Schluß derselben. Auf eine nachträgliche Anfrage des Herrn Apotheker G. Löwen - stein über die Stellung des Central-Vereius-Dorstaudes zu der Frage des „Judentages" entgegnete Herr Rechtsanwalt I)r. Horwitz, daß