Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 634 (sequence 2)
- Language
- German
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634 Im deutschen Reich. mit langanhaltendem Beifall belohnt wurde, ist am Eingänge dieses Heftes im Wortlaute wiedergegeben. Nach dem Bortrage ergriff der Leiter der Versannnlung, Herr Dr. F u ch s, das Wort und sagte: „Der Herr Vorsitzende hat zu den vielen Verdiensten, die er um den Verein hat, heute Abend ein neues erworben: er hat das gewaltige Material, das unter dem Worte: „Könitz" zusammenzufafsen ist, zu einem lichtvollen Bilde gestaltet, zu einem Kulturbild, möchte ich sagen, das nicht blos ein spezifisch jüdisches, sondern ein allgemein sociales und juristische Interesse hat. Das Bild war niederdrückend, denn es hat uns gezeigt, das; heute noch Klassenhaß und Rassenhaß soweit geschürt werden tonnen, daß sie an den Fundamenten der Rechtspflege und des Rechtsstaates rütteln, aber doch auch erbebend, weil es zeigt, daß mächtiger als aller Haß und als die Leidenschaften einer vorurtbeilsvollen Menge das Schwergewicht der Gerechtigkeit und der Wahrbeit ist. Waren wir auch manchmal mit bangen Zweifeln erfüllt, ob die Wahrheit jemals ans Tageslicht kommen und die Frevelbastigkeit der dem Iudentbum gemachten Vorwürfe dartbun würde — unsere Hoffnung auf die (Gerechtigkeit hat sich erfüllt und früher, als wir geglaubt haben, ist die Wahrheit an den Tag gekommen. Was Sie in stürmischem Beifall dem Herrn Vortragenden zum Ausdruck gebracht haben, Dank und Anerkennung, das möchte ich im Namen der Specialkollegen vom Vorstand ihm sagen und ihm nochmals meinen herzlichsten Dank anssprechen." Nun erhielt Herr Geheimer Iustizrath Prof. v. Liszt das Wort. Dieser berühmte Necbtslehrer wurde mit lebhaftem Beifall empfangen und äußerte sich wie folgt: „Meine verehrten Damen und Herren! Fch hatte mir von unserem verehrten Herrn Vorsitzenden das Wort erbeten, nicht etwa, um den klaren, rubigen, erschöpfenden und uns überzeugenden Worten des heutigen Vortragenden in sachlicher Beziehung irgend etwas hinznznfügeu; als vielmehr zu dem Zweck, um auf eine Thatsache aufmerksam zu machen, die uns längst bekannt ist, die dennoch so häufig verkannt wird und die gerade auch in dem Kvnitzer Prozeß uns recht deutlich eutgegeugetreteu ist, und um Sie im Anschluß au die Betonung dieser Thatsache hinzuweiscn aus eine Forderung, die von mir und von anderen Seiten seit einer langen Reihe von Fahren gestellt wird. Die Thatsache, die ich meine, ist die Unsicherheit und damit die Gefährlichkeit gerade desjenigen Theiles unseres Beweismatcrials im Strafverfahren, dem wir das größte Zutrauen entgegcnzubringen gewohnt sind. Ich meine die Unsicherheit, die Gefährlichkeit der Zeugen-