Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Gnesen
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 630 (sequence 4)
- Language
- German
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630 Im deutschen Reich. stätte für ihren Verband machten, theils, wenn dies aussichtslos war, sie zu sprengen versuchten. Man würde fehlgehen, wenn man bei diesen, auf ihr Deutschthum jo sehr pochenden Politikern nun weniastens soviel Ehrlichkeit erwarten wollte, daß sie ihren Antisemitismus gegen Jedermann bekennen. Hierzu sind sie aber zu feige. Ihre Stellung zu den in jüdischen Geschäften angestellten Genossen wird durch folgende Brief. kasten-Noliz der „Handelswacht" indessen genügsam enthüllt: „Natürlich nimmt der D. H. V. auch Mitglieder, die bei Juden in Stellung sind. Diese werden sich ohnehin die nöthige Beschränkung auferlegen. Unsere Sperre über die jüdischen Geschäfte wird erst dann mit Erfolg durchgeführt werden können, wenn wir die Mehrzahl der deutschen Handlungsgehülfen ans unserer Seite haben." Wir können nach alledem nur davor warnen, Mitglieder dieses Verbandes in Stellung zu nehmen oder zu behalten. Wenn diese Personen sich stark genug fühlen, werden sie, wie hier offen angekündigt wird, das Entgegenkommen oder die Schwache ihrer jüdischen Prinzipale durch offenen Boykott und die gehässigste persönliche und geschäftliche Bekämpfung zu danken suchen. Wir empfehlen dringend, diejenigen jungen Leute, welche nur aus Unkenntnis oder aus falscher Kollegialität die Mitläufer spielen, eingehend über die verwerflichen Ziele und die nicht minder verwerfliche Kampfesweise des Verbandes aufzuklaren, um ihren Austritt herbeizuiühren. Die Führer aber und die bewußten Anhänger des Verbandes können in einem jüdischen Geschäft nach unser Auffassung nicht ferner geduldet werden. Rakel (Netze), 6. November. Hier starb im Alter von 78 Jahren unser Vereinsmitglied, der Brauereibcsitzor Simon Herrmann, der nicht blos in der jüdischen Gemeinde, hochgeachtet, sondern auch in der ganzen Stadt beliebt und angesehen war. Eine lange Reihe von Jahren war er Stadtverordneter und bekleidete gleichzeitig das ihm übertragene Ehrenamt eines Repräsentantenvorstehers der jüdischen Gemeinde, um die er sich durch die Förderung ihrer religiösen Institute und Wohlthätigkettsvereine wohl verdient gemacht hat. co Könitz, 10. November. Das von dem Schwiegersöhne des Fteischermeisterö Hoffmann redigierte antisemitische „Konitzer Tageblatt" spricht bei Erwähnung der Abnahme-der jüdischen Bewohner von Tuchel von einer „wohlthättgen" Folge des dortigen Antisemitenkrawalls. Dazu bemerkt die „Ostd. - Tageszeitung" sehr richtig: „Solange nicht festgestellt wird, daß die Weggezogenen ihre Bürgerpflichten vernachlässigt haben, ist es keine „Wohlthat" für Gemeindewesen, wenn Steuerzah.er den Ort verlassen."