Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Gnesen
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 629 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 629 aufzutreten und diese Rede vorher öffentlich ankündigen zu lasten. Herr Liebermann von Sonnenberg betrachtet deshalb nur Reckt den Verband lediglich als eine antisemitische Kampf-Organisation, von der er ans dem diesjährigen Braunsckweiger Parteitage sagte, er sehe in ihm den Anfang zu einer Berufsorganisation für den gesammten deutschen Kaufmannsstand, „welche durch die von dem Verbände erzogenen Jünglinge wieder mit deutschem Geist erfüllt werden und so den jüdischen Geist, der dort eingezogen sei, verdrängen würde". Denselben Geist athmet die Zeitschrift des Verbandes, die ,.Deutsche Handelswacht." Auf der diesjährigen Generalversammlung des Verbandes mußten selbst Parteigenossen des Herrn Schach diesem für die Judenirage einen etwas „vornehmeren" Ton anempfehlen. Natürlich hindert das die Verdau dszeirung nickt, vermeintliche Mißstände im Kaufmannstande nach wie vor gerade vorwiegend in jüdischen Geschäften zu suchen und sie unter Namens- und Neligionsangabe dort auf die breiteste Weise zu er orten. Auf diese Erörterung erstreck: fick überhaupt die Thätigkeit des Verbandes ganz vorwiegend. Es dürfte unter den Prinzipalell nicht allgemein bekannt sein, daß jedes Verbandsmitglied veranlaßt wrrd, über seinen Prinzipal fortdauernd den Genfer oder Spion zu spielen. Der Fragebogen, wckcker von jedem Mitglieds des Verbandes auszusüllen ist, enthält Fragen wie die: 3. Ruf, Gharakter und Gl aubens de kenn tniß des Firmeninhabers. 7 Wie ist die Behandlung, tägliche Arbeitszeit und Tischzeit der Angestellten? 8. Werden auskömmliche Gehälter gezahlt? 13. Wechseln die Angestellten oft? Können Sie die Annahme der Stellung empfehlen? Es liegt auf der Hand, daß durch wistcntlich oder fahrlässig falsche Berichterstattung die Prinzipale der antisemitischen „deutschnationalen" Handlungsgehilfen nicht nur materiellen, sondern auch gar nickt wieder gutzumachenden Schaden an ihrem kaufmännischen Rufe erleiden. In welchem Geiste die jungen Leute von dem Verbände erzogen werden, lehren Vorkommnisse wie die in Könitz, wo die Ortsgruppe in der. Zeitung öff ntlich erklärte: „Wir nehmen deshalb keine Juden in unfern Verband auf, weil wir mit dieser Nation schon zu trübe Erfahrungen gemacht ' haben." In Berlin haben sich die Deutsch-nationalen unter Führung des schon genannten Viktor Blobel besonders dadurch hervorgethan, daß sie die Versammlungen anderer kaufmännischer Verbände teils zur Werbe-