Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 604 (sequence 34)
- Language
- German
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örutldirn Reich- 60; ist — das glaube ich, dürfen wir sagen — ein unerhörtes Unrecht zugefügt worden, den Juden allgemein insofern, als man sie allgemein eines solchen Verbrechens für fähig erklärt hat, einer großen Zahl dadurch, daß man sie direkt mit der Mordthat in Verbindung gebracht hat und daß ihnen unmittelbar schwere Nachtheile Zngcfügt worden sind, während sich, wie jetzt amtlich konstatiert ist, ihre volle Unschuld hcrausgcstellt hat. Die Juden sind geschädigt durch die Nachtheile, die mau ihnen bei den Unruhen zugefügt hat, durch die Beschädigungen ihres Eigenthnms und ihrer Gesundheit, die sie erlitten haben, und die Juden haben angesichts solcher Vorgänge, angesichts der Unruhen, die andere stifteten, die vollste Ruhe bewahrt. Denn das glaubt ja niemand, was die antisemitischen Blätter in dieser Beziehung lügen: die Unruhen seien durch die Juden angestiftcr. Die armen Juden. — in Könitz sind 77 jüdische Haushaltungen gegenüber 8000 Einwohnern — die armen Inden, die dort in dieser Weise vexiert und gequält worden sind, waren frob, wenn man ihnen Ruhe ließ. Der Schlächtermeister Adolf Lcwv aus Könitz — mir wurde berichtet, daß er in unserer heutigen Versammlung anwesend sei — war einmal bei mir, als er aus Könitz hierher kam, und schilderte mir, was er dort erduldet hatte in seinem Hause. Ich kann sagen, es war herzzerreißend, wenn man hörte, wie die Leute verfolgt wurden und zwar, wie jetzt auch amtlich festgcstellt ist, ganz zu Unrecht, ohne einen Schein von Recht, wie sie in ihrer eigenen Behausung nicht sicher waren,, wie sie Stunde auf Stunde in einer Ecke des Zimmers hocken mußten aus Furcht, cs würden, wenn sie ans diesem einzigen sicheren Winkel des Hauses fortgingen, die Stciuwürfe, der Steinhagel, der herniederprasselte auf das Haus, sie todtschlagen. Die Inden haben angesichts aller solcher Nachlhcile und allen solchen Unrechts die Ruhe bewabrt, und ich glaube, sie haben damit gezeigt, wer der bessere. Bürger des Vaterlandes ist, ob das Gesindel, das Unruhe stiftet oder diejenigen, die selbst Unrecht dulden, aber dem Gesetze ihre Treue bewahren. Die Juden haben sie gewahrt. Meine Herren und Damen, die Wiuterscbe Mordsache hat rin uns ausgespiclt. Wir hoffen noch immer, daß der Mörder entdeck: werden wird. Als Juden haben wir daran keinerlei Interesse mcln. Wir hatten, so lange Juden beschuldigt werden konnten, den dringendsten Wunsch, daß man den Mörder, fasse, weil dann diese ungerechten Angriffe aufhören mußten. Wir haben jetzt nur neck' allenfalls als Menschen das Interesse, daß eine Unthat ihre Sübne finden möge. Für uns als Juden ist die Sache abgethan, denn es steht nunmehr — für uns war nie ein Zweifel — jetzt aber steht es