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Im deutschen Reich · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. 603

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Konitz
Date
1901-11-01
Page
603 (sequence 33)
Language
German
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Könitz. rm gcfoflct, und es ist kein Wunder, daß die „Staatsbürger-Zeitung" schreiben kann, die Steuerlast in Könitz sei eine ungeheure geworden für das laufende Jahr — nicht ganz richtig allerdings, daß „das alles um der verfluchten Juden willen" geschehen sei. Könitz ist auch sonst geschädigt, geschädigt ideell unermeßlich durch die Vergiftung der Gesinnung der Massen, der Gesinnung der Heranwachsenden Jugend, geschädigt materiell durch das Darniederliegen alles Handels, dadurch, daß die Juden, soweit sie nur irgendwie die Gelder für den Umzug erschwingen konnten, von Könitz fortgezogen sind, und dort ist die Summe von Intelligenz, die die jüdische Bevölkerung stellt, eine für den Ort keineswegs leicht zu entbehrende. So wird man in Könitz noch lange daran zu denken haben, was die Folgen dieses antisemitischen Treibens anläßlich des Mordes an Winter für die Stadt zu bedeuten babcn! Ein Nachtheil aber ist noch vor allen Dingen entstanden, und das ist der unmittelbare Schaden für die Untersuchung des Mordes selbst, denn durch die unlauteren Machenschaften der Antisemiten sind die Spuren des wirtlichen Mörders verwischt worden und es ist eigentlich den Leuten von antisemitischer Seite ein deutlicher Fingerzeig gegeben worden, wie man morden und doch straflos bleiben kann! Es wird von der „Ostseezeitung" sehr richtig hervorgeheben: wenn wirklich der Konitzer Mord Aehnlichkeit halte in der Art der Ausführung mit dem Morde in Sturz, so könnte man sich gar nicht darüber wundern. Sturz sei nicht weit von Könitz. Tie antisemitischen Blätter hätten, nachdem der Mord von Sturz seiner Zeit vorgekommen war, auf das genaueste beschrieben, wie man es anstellen müsse, um einen Mord als Ritualmord erscheinen zu lassen. Es wäre also gar kein Wunder, wenn man jetzt nach diesem Recept gebandelt hätte, wenn jemand, der den Winter ums Leben bringen wollte, sich gesagt hätte: ich brauche mir nur ein solches antisemitisches Hetzblatt in die Hand zu nehmen, ich befolge genau die dort gegebenen Vorschriften, daun bin ich sicher, daß die Antisemiten daraus einen Ritualmord machen, daß ein furchtbarer Spektakel entsteht und daß in diesem Getümmel meine Spur jo untergehen wird, dal; man von mir nichts mehr sehen wird. Zahllose ruinierte Existenzen bezeichnen den Weg, den die antisemitischen Hetzer gegangen sind. Die Zeit ist sehr vorgerückt; ich habe Ihre Geduld allzu lange in Anspruch genommen. Ich schließe deshalb. Ich verweise als ein'Gegenbild zu dem Verhalten dieser Antisemiten auf das Verhalten der jüdischen Bevölkerung. Den Juden

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