Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Konitz
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 584 (sequence 14)
- Language
- German
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584 Im deutschen Reich. Die „Staatsbürger-Zeitung" enthält einen Aufsatz über ein Antisemiten-Denkmal in Berlin. Es ist Ihnen wahrscheinlich uutt unbekannt, daß in der Sieges-Allee bei den Standbildern der Fürstlichkeiten, die dort aufgestellt sind, auch immer je zwei Staatsmänner Unterkommen gesundeil haben. Die „Staatsbürger-Zeitung" hat nun entdeckt, daß einer dieser Staatsmänner — ich weiß nicht, vor wieviel Jahrhunderten — ein Edikt gegen das Einwandern von Juden in Berlin erlassen hat, und sie stoßt nun ein Triumphgeschrei darüber ans, daß diesem ausgesprochenen Antisemiten ein Denkmal in Berlin gesetzt worden ist. Ob die dieser Behauptung zu Grunde gelegte Angabe historisch richtig ist, kann ich nicht sagen, da cs mir nicht lohnte, es zu untersuchen. Für die Nichtigkeit bürgt Ihnen daher nur die bekannte Wahrheitsliebe der Staatsbürger-Zeitung. Bei dieser Gelegenheit nun läßt sie sich auch darüber aus, wie dock eigentlich jeder wirklich bedeutende Mann Antisemit gewesen sei und sie versteigt sich dazu, ch'iber st es sing Folgendes zu sagen: ..Selbst Lessing muß man zn den geistig bedeutenden Männern rechnen, die d-ie Schädlichkeit des Judenthums erkannt und ihrer Ansicht mehr oder weniger scharf Ausdruck gegeben haben. Denn die seine Art in der er im „Nathan" den Juden zeigt, wie sie — nicht sind, ist doch nichts, als eine Anerkennung ihrer tbatsächlichen Mindenverthigkeit". Meine Damen und Herren! Ich schmeichle mir nicht, daß Sie ans meinein Bortrage etwas lernen werden, aber hier haben Sie sicher etwas Neues erfahren, so haben Sie den ..Nathan" bisher offenbar nicht betrachtet. Das sind eben Tinge, wie man sie Lesern und Gesetzgebern in Hinterpommern austischen kann. Wenn wir nun zunächst nach dem Motiv fragen, das die Antisemiten geleitet hat, als sie sich dieses Gegenstandes so eifrig bemächtigten, so giebt es nur eine Antwort: Es hat-sie nur das geleitet, was bei ihnen die einzige Triebfeder immer ist. das gan; gemeine Geldintercsse. Das sage ich nicht nur aus der Ansicht heraus, die mau sich nachgerade über die Herren überhaupt bildest sondern ich hatte Ihnen erklärst immer Thaisachen berichten zu wollen. So auch hier: Die „Deutsche Wacht" in Dresden, bekanntlich ein führendes Organ der Antisemiten, hat die Hoffmann'sche Eingabe, versehen mit großen Reklameannoncen, in denen für die „Deutsche Wacht" Propaganda gemacht wird, verbreitet, und zwar in ungezählten Eremplaren. Der Vertreter der Staatsbürger-Zeitung in Könitz richtete von dort aus an das Publikum die Bitte um Einsendung von Geldern, damit man der Sache der Aufklärung dienen könne.