Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 560 (sequence 1)
- Language
- German
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560 Im deutschen Reich. Uereirrsnachrrchten. j£/cr rauhe Herbst mahnt daran, daß die Zeit gekommen ist, in •iv>' welcher unsere Vereinsmitglieder sich in zahlreich besuchten Versamui- Lungen zu belehrenden Vorträgen und zum mündlichen Austausch der Meinungen über die Sclbstvertheidiguug der deutschen Juden zusammen, zusinden pflegen. Dies geschieht Heuer etwas später als sonst, weil es nur ein einziges Thema giebt, dessen Behandlung bei der jetzt unter uns vorherrschenden Stimmung von der Mehrheit der Mitglieder gewünscht und erwartet wird, einen Gedanken, der das Interesse an anderen Stoffen lähmt, ein Wort, das sich unwillkürlich auf die Rippen drängt: — Könitz! Was aber darüber öffentlich zu sagen ist, muß mit Ruhe und Würde gesagt werden, muß den Charakter leidenschaftsloser Objektivität tragen, darf durch keine Regung des politischen Parteihasses entwürdigt werden. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß Recht doch immer Recht bleiben muß, konnten wir warten,'bis diese Angelegenheit so weit geklärt sein würde, um eine solche leidenschaftslose-Besprechung zu ermöglichen. Jetzt ist dieser Zeitpunkt da. Ist auch heute die traurige Kouitzer Sache noch zu keinem vollständigen Abschluß gelangt, so läßt sich doch schon jetzt mit ziemlicher Sicherheit sagen, daß die Pläne derer, welche sie für ihre dunklen judenfeindlichen Pläne auszubeuten hofften, gescheitert sind. Deshalb tonnen wir uns nun offen darüber aussprechen, wie es möglich war, daß ein ganz gewöhnlicher Kriminalfall dazu führen konnte, daß unzählige, den sogenannten besseren Kreisen angehörende Menschen mit mittelalterlichen Gespenstergeschichten ernsthaft rechnen zu müssen glaubten. Der Zeitpunkt ist hoffentlich auch nicht fern, wo viele erröthen werden, diesem au die Zeit der Herenprozesse erinnernden Wahn gegenüber nicht geseiht gewesen zu sein, der Zeitpunkt, wo auch sie Ln dem Ausspruch: „Kein gebildeter Mensch glaubt an einen Ritualmord" ein erlösendes Wort erkennen werden. Es hat bis jetzt an ausführlichen Besprechungen der Konitzer Prozesse auch nicht gefehlt, aber dieselbe gingen meist von antisemitischer Seite aus und gaben kein richtiges Bild der Vorgänge. Um so willkommener ist es uns, daß dieselben von nichtjüdischer Seite