Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 548 (sequence 12)
- Language
- German
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548 Im deutschen Reich. lichen Religionsbekenntnisse wird durch das Organ des „Volksbundes" auch nach Deutschland verpflanzt. Die „Deutsche Hochwacht" schreibt am 22. Sept.: „Der Protestantismus ist asiatisch verseucht und vom Judenthum durchsetzt. Es ist minder deutsches Christenthum als jüdisches Christenthum; und seine Vertreter stehen dafür dem reinen deutschen, d. h. dem Rasse-Antisemitismus haltlos und unklar gegenüber und schießen im Streite wunderliche Purzelbäume. Los von den aufgezwungenen Staatsreligionen! Ein Jeder trage und hüte seine eigene Religion in sich! Es bedarf einer zweiten oder einer Fortsetzung der entgleisten Reformation des l6. Jahrhunderts." — Die österreichischen und ungarischen Kirchenfürsten sehen bereits die verderblichen Wirkungen der antisemitischen Doltsaufwiegelungen ein und bemüben sich die antijüdische Bewegung einzudämmen. Als vor einigen Wochen der Erzbischof I)r. Georg Posilovie in Agram aus Anlaß seines sünfundzwanzigjährigen Bischofs - Jubiläums eine Deputation der jüdischen Gemeinde empfing, erwiderte er auf deren Ansprache: „Gerechtigkeit und Humanität diktieren mir jederzeit Aeußerungen der Liebe und Duldsamkeit gegen Andersgläubige. Wir Christen müssen überzeugt sein, daß unsere Religionsgcsetze in Moses ihren Urheber haben, dem sie von Gott eingegeben wurden.,, In Ungarn zeigt auch die Regierung das gleiche Bestreben; so bat der ungarische Ministerpräsident in einer speziellen Verordnung die Verwaltungsbehörden angewiesen, die Verbreiter der „Ritualmord"- Lüge auszuforschen und dem Strafrichter zu übergeben. Wie überall, wo die Behörden den festen Willen bekunden, die Nassen- und Religions- Hetze zu bekämpfen, wendet sich die Bevölkerung bald von den diese Hetze betreibenden Männern ab, die dann den letzten Halt verlieren. Der ungarische Minifterialkommissär Eduard Egan/ welcher im Vorjahre durch antisemitische Reden und sein Verhalten bei der seiner Leitung anvertrauten Hilfsaktion für die in Rordost-Ungarn wohnenden Ruthenen unliebsames Aufsehen erregte und öffentlichen Widerruf leistete, als er vom Ministerium desavouiert wurde, hat bei Ungrar Selbstmord begangen. Antisemitische Blätter bezeichnen ihn deshalb als eines der,,Opfer jüdischer Nachsucht". Solche giebt cs nicht und bat es nie gegeben, aber über denen, welche die Drachensaat des Hasses säen, hat zu allen Zeiten ein düsteres Verhängnis gewaltet, denn „gesühnt wird unter der Sonne jede That der verblendeten Wuth!" A. L.