Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Das Ergebniß der Blutmord-Umfrage des germanischen Volksbundes
- Date
- 1901-10-01
- Page
- 523 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316676-2316686-2328443--08671-2328524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
--iUi;,; «.•^e. wald macht fccit sehr plansibcln Vorschlag: „Lei Dorkommen eines Mordes, wo wie in Tanten und Könitz alle Spuren aus Juden weisen, wird die Hälfte dcö Vermögens aller Juden Staatseigentum, entsprechend der Verbrecher-Solidarität der Juden." -— Der Mann mug Justizminifter werden! Höchst einfach und ungemein einleuchtend ist der Vorschlag eines Herrn, der kategorisch verlangt: „Die Juden haben sich von dem Verdacht zu reinigen und Zu beweisen, daß es keine Blutmorde giebt." (Wie? sagt die Redaktion der Staatsbürger-Zeitung.) Doch genug davon. Mancher wird vielleicht sagen — zu viel. Und doch ist es nöthig, wenn man die Pest bekärnpfen will, den Schlupfwinkeln der Ratten nachzugehen, auch wenn die Beschäftigung eine keineswegs'angenehme, zuweilen Ekel erregende ist. Man muß „das Gift, das diese Hydra verspritzt", wie kürzlich ein Staatsanwalt sagte, kennen lernen, um zu wissen, mit welchen Mitteln der Antisemitismus arbeitet, nach dem Satz: der schlechte Zweck heiligt die schlechtesten Mittel. Man darf auch nicht vergessen, daß ein nicht geringer Theil des Giftes auf günstigen Boden fällt. Nicht jeder ist immun dagegen: groß ist die Zahl derer, „die nicht alle werden", die sich durch hochtönende Phrasen Sand in die Augen streuen Lassen, Lerer, die nur oberflächlich die Dinge verfolgen und dann die mit aller Klatschlust eng verbundene unglückselige Redensart kolportieren: „Etwas muß doch dran sein!" Die Antisemiten kennen ihre Leute und haben sich daher nicht gescheut, diese „Gutachten-Sammlung", so kläglich das Machwerk auch ist, mit ernster Miene in die Welt zu setzen. Den Juden mag es von neuem eine Mahnung sein, nicht durch feigen Abfall dem Feinde das Feld zu räumen, sondern in dem aufgedrungenen Kampfe für die Ehre des Judenthums, sowie des deutschen Vaterlandes opferwillig einzustehen. W. <dm