Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 9 (September 1901)
- Article
- Berlin
- Date
- 1901-09-01
- Page
- 482 (sequence 8)
- Language
- German
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tzm Lemschcn dwich. 422 Die „Berliner Ztg." berichtet über folgenden etwas kostspieligen antisemitischen Scherz: „Na, Inden, wäret Ihr dawnen (beten)?" Mit diesen Worten wurden zwei Männer empfangen, die in der Nacht zum 25. September v. Zs. das Alexander-Cafo betraten. Einer der beiden Eintretenden, der nicht jüdischen Glaubens ist, verbat sich eine derartige Anulkuug. Als er mit seinem Begleiter alsdann an einem Tische Platz nehmen wollte, folgten ihm spöttische Redensarten, die in mauschelndem Tone fortgesetzt wurden, bis von der anderen Seite nochmals eine ernstliche Verwarnung dagegen erfolgte. Der Angeulkte trat nochmals an den Tisch, berührte den älteren Mann etwas kräftig und verbat sich wiederholt, ihn zur Zielscheibe unpassender Scherze zu machen. In demselben Augenblick sauste ein Spazierstock auf seinen Kopf hernieder und verwundete ihn dermaßen, daß.er über und über nut Blut besudelt war und die Unfallstation aufsuchen mußte. Der Schläger stand am 3. Sept. d. Js. in der Person des schon bejahrten Kaufmanns Julius Mietschke vor dem Schöffengericht, um sich wegen gefährlicher Körperverletzung Zu verantworten. Sein als Zeuge auftretender Begleiter behauptete, Laß er die beiden ins Cafö eintretenden Männer mit Bekannten verwechselt und ihnen scherzhaft zugerufen habe: „Na, heute am großen Jontiff im Cafs?" Er gestand zu, etwas vorlaut gewesen zu sein, machte aber zu seiner Entschuldigung geltend, daß er während des Tages — 30 Glas Bier genossen habe. Der Angeklagte behauptete, daß er sich in einer Art Nothwehr befunden habe, da der Verletzte den Arm zum Schlage gegen ihn erhoben und er mit dem Stock nur den Arm habe treffen wollen. Der Gerichtshof hielt hierüber noch eine weitere Beweisaufnahme für notbwendig. Dem Angeklagten kann der Scherz Lheuer zu stehen kommen, denn der als Nebenkläger auftrcLende Verletzte verlangt außer der Bestrafung des Angeklagten auch noch eine Buße von 210 M." < Charlottenbrrrg, 1. September. Der Rektor der Technischen Hochschule errheilte seine Genehmigung zur Gründung eines „Vereins jüdischer Studenten" an dieser Anstalt. Frirdeberg (Neumark). Heber die Persönlichkeiten der Leiden verhafteten Beamten der hiesigen Vorschußkafle, Kutzer fern und Kutzer jun. wird mitgetheilt, daß sowohl Vater wie Sohn seinerzeit die hervorragendsten Hetzer gegen jüdisches Kapital rc. gewesen und damals AhlwardL auf den Schild erhoben haben. . Dies ist ihnen während ihrer A.sitationsreisen in der Umgegend Lei dem Einfluß, den sie als Vorsteher des betreffenden Instituts auf die breiteren Waffen ausüben konnten, leicht genug geworden.