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Im deutschen Reich · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. 415

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
Berlin
Date
1901-08-01
Page
415 (sequence 2)
Language
German
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Sie, daß die damalige Frau Krouprinzeß mit Abscheu von der Judenhetze sprach. Einige Worte, die damals den Schluß Ihrer Aenßerungen bildeten, haften noch frisch in meiner Erinnerung. Die hohe Frau erklärte, daß dem Kronprinzen wie ihr selbst daran gelegen sei, über ihrer Beiden Verurtheiluuz der unwürdigen Agitation nirgend einen Zweifel aufkommen zu lassen." In jenem Schreiben vom 20. Juni 1880 hatte Georg von Lunsen dem Geheimrath Magnus die Aeußerung der damaligen Kronprinzessin mitgetheilt, „sie hoffe, daß man wisse, wie scharf und entschieden der Kronprinz und sie selbst die antisemitische Agitation mißbilligten." Man wußte es thatsächlich, und deshalb haben diejenigen, welche sich davon getroffen fühlten, der hohen Frau besonders dadurch mannigfachen Kummer bereitet, daß sie bei jeder Gelegenheit ihr eine Vorliebe für ihre englische Heimath vorwarfen und die gutdeutsche Gesinnung anzweifelten, die sie von ihrem trefflichen Vater, dem Prinzen Albert von Sachsen-Coburg, geerbt hatte. Noch im Tode verfolgt der Haß der Antisemiten die Mutter unseres Kaisers; in der: ihr. von den Blättern jener Partei gewidmeten Nachrufen ist fast ausnahmlos der Vorwurf der. „Engländerei"' eingestochten. Triumphierend kündet die „Staatsbürger-Ztg.", daß der Berliner Zweigverein des „Deutsch - nationalen Handlungsgchilfenverbandes" am 10. August sein Sommerfcst „trotz der Landestrauer mit Wissen der Polizei" durch Konzert, Preiskegeln und Ball begeht. Das Dresdner Antisemitenblatt scheut sich nicht in dem Augenblicke, wo die edle Dulderin noch auf der Bahre liegt, in einem gegen die materiellen Nachtheile der Landestrauer gerichteten Artikel die Nachfolgenden gehässigen Satze zu veröffentlichen: „Das deutsche 'Volk ist zu treu und ehrlich und zu gemüthvoll, um auf Befehl zu trauern, es ist zu innerlich, um Werth auf Aeußerlichkeiten zu legen. Und gerade im vorliegenden Falle, gelegentlich des Ablebens der Kaiserin Friedrich, die dem Herzen des deutschen Volkes leider stets fremd geblieben,ist, kann es aus seiner Gesinnung kein Hehl machen. Wenn das deutsche Volk in seinem Herzen Trauer verspürt, so ist es angesichts des Verlustes, der unfern Kaiser betroffen hat, vielleicht auch angesichts dessen, daß die geistreiche Frau,' die der Tod nun hinweggenommen, die Gattin einxs deutschen Volkshelden war. Um die „Kaiserin" Friedrich aber trauert es nicht, denn sie war nur dem Namen nach eine „deutsche" Kaiserin, und so hat die anbefohlene Landestrauer auch aus national-sittlichen Gründen Mißstimmung erregt." 'Der unversöhnliche Haß, der aus diesen Zellen spricht, ist eine der schönsten Ruhmestitel der Kaiserin, die nicht nur

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