Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Der Leipziger Bankkrach
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 403 (sequence 11)
- Language
- German
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Dcr Lcipzi $5atmraeo. 403 Bank fallen ließ, daß damit eine schwere Krisis über Sachsen Hereinbrechen werde. Diese aber grade brauchte man, um die Aalschnüre der Berliner Bankjuden im antisemitischen Sachsen auszuwerfen." Dazu bemerkt die „Magdeburgische Zeitung": „Wir glauben nicht, daß die Frivolität und Gewissenlosigkeit dieser ohne den leisesten Versuch eines Beweises in die Oeffentlichkeit geschleuderten Anklage jemals von der uns feindlichen Presse des Auslandes erreicht worden ist." In demselben Tone wie das Berliner Antisemitenblatt bespricht die Dresdener „Deutsche Wacht" die sächsische Krisis und sagt wörtlich: „Juda sollte wieder einmal als leuchtendes Vorbild der Reellität einer stark antisemitisch angehauchten Bevölkerung vor Augen geführt werden; so klappte man zwei Fliegen mit einem Schlage, man kam zu den Depots der Gojim und man trieb ein Bischen Abwehr des Antisemitismus." Diesem merkwürdigen Gedankengange folgend, erörterte auch der Dresdener Führer der „deutsch-sozialen Refvrmpartei", Oswald Zimmermann, die Sache in Vorträgen, die er im Sanssouci-Saale in Leipzig und in der Berliner Bock-Brauerei am Tempelhofer Berg unter dem Jubel seiner Gesinnungsgenossen gehalten hat. Der antisemitische Redner sagte in Leipzig, daß die Börse den jetzt von ihr verdammten Bankdirektor Erner als Held des neuen Jahrhunderts aus den Schild gehoben haben würde, wenn ihm seine phantastischen Pläne gelungen waren, daß aber jetzt schadenfrohe Elemente der höchsten Bankwelt auch in Sachsen das Fett abzuschöpfen versuchen würden, daß insbesondere das „Löwenkind Bambergers", die „Deutsche Bank", eine jüdische Gründung sei, die sich als Retterin der sächsischen Industrie aufspiele, vor deren Einfluß man sich aber hüten müsse. In Berlin sprach Zimmermann von „den Schäden, die das internationale Judenthum und der von ihm ausgehende Geist in Handel und Wandel dem deutschen Volke zusügen." „Wir stehen", so führte er aus, „vor einer ähnlichen allgemeinen wirtschaftlichen Krisis, wie sie einst Otto Glagau in seinen unvergänglichen Schriften so grell, aber nur zu wahrheitsgetreu beleuchtete. Auch heut wieder ist das jüdische Riesenkapitül an der Arbeit, einen großen Fischzug ins Werk zu setzen und alles, was an Mittel-Existenzen noch ein Dasein ftistet, auf dem Wege niederzuLreten." Selbstverständlich ist dies Wahnsinn, aber in diesem Wahnsinn ist Methode; um den Verbrechern aus der Patsche zu helfen, soll der Ruf: „Haltet den Dieb!" durch das seine Wirkung nie verfehlende Hep-Hep-Geschrei übertönt werden, Ln das die am schwersten Geschädigten zumeist unbesonnener Weift selbst einstimmen um so die HabhafLwerdung ihrer wirklichen Ausbeuter vereiteln zu helfen. I I