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Im deutschen Reich · 1901-08-01 · Heft 8 (August 1901) · p. 393

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 8 (August 1901)
Article
Der Leipziger Bankkrach
Date
1901-08-01
Page
393 (sequence 1)
Language
German
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Aer Leipziger Bankkrach. allen Zeiten war die Judenhetze die Vorbotin eines nahe bevorstehenden politischen oder wirtschaftlichen Zusammenbruchs, (§weil jeder in einflußreicher Stelle befindliche gesinnungslose Macher, der aus eigener Schuld in eine verzweifelte Lage gerathen war, das letzte Rettungsmittel stets darin erblickte, das ihn bedrohende, wohlverdiente, wilde Unwetter auf eine Bevölkerungsklafie abzulenkcn, die infolge ihrer ruhigen Besonnenheit nicht zu den Geschädigten gehörte. Wie im Mittelalter das Märchen der Brunnenvergiftung nur deshalb Glauben fand, weil die Juden infolge ihrer Abgeschlossenheit und der zur Mäßigkeit zwingenden Speisegesetze von der mit dem Namen „der schwarze Tod" bezeichneter: verheerenden Pest beinahe ganz verschont blieben, so hat auch in der neueren Zeit jede allgemeine Kalamität, deren wahre Ursache in verhängnißvollen Fehlern einflußreicher Kreise zu suchen gewesen wäre, den Anlaß zu judenfeindlichen Aufreizungen gegeben. Die Leichtigkeit, mit der sich die Mafien täuschen ließen, um dann ihren eigentlichen Schädigern zuzujubeln und, wie der Stier durch das rothe Tuch gereizt, ihrem Groll gegen Unschuldige Luft zu machen, mußte mit der Zeit geradezu verlockend auf kühne Waghälse einwirken, indem diese im voraus davon überzeugt sein dursten, auf diese Weise selbst bei Ausbeutungen verbrecherischster Ar-' schließlich straflos zu bleiben. So vermehrte sich die Mißwirtschaft in derselben Weise wie sich die Zahl der Lustmorde vermehrte, seit die Lektüre der antisemitischen Presse und die massenhafte Verbreitung der blutrünstigen „Politischen Bilderbogen" die Wollüstigen belehrte, daß esnur eines scharfen Schnittes durch die Kehle ihrer Opfer bedürfe, um die Spur des Verbrechens vollständig zu verwischen und aus dem „Lustmord" ein sogenanntes „Ritualmord-Derbrechen", einen „Blutmord" oder „Sühuemord", kurz irgend etwas zu gestalten, das antisemitischen Geschäftsleuten die erwünschte Gelegenheit bieten konnte, eine leichtgläubige Menge sich tributpflichtig zu machen. So lange die Dummen nicht alle werden, wird auch auf wirthschaftlichem Gebiete der Jude der „Prügelknabe" für alle Volksausbeuter bleiben. Als nach dem deutsch-ftanzösischen Kriege der rasche industrielle Aufschwung zu einer verderblichen Ueberproduktion verleitete, die zu

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