Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Studententhum und Centralverein
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 391 (sequence 13)
- Language
- German
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0iuDcntvniI;u;n und Ccutralverein. 591 bekommt das Vereinsorgan umsonst geliefert, und wer nicht Mitglied werden kann vermöge seines Alters oder richtiger seiner Jugend, der abonniere auf die Zeitschrift. Für Nichtmitglieder kostet sie 3 Mark. Wir sind gern bereit, jedem Studenten sie für 2 Mark jährlich zu liefern, um auf diese Weise die Möglichkeit Ihrer Mitarbeiterschaft zu erzielen, insoweit Sie offizielle Mitglieder nicht sein können. Meine Herren, ich will Sie mit weiteren Einzelheiten verschonen über das, was wir gethan und was wir erreicht haben. Sie haben aus dem, was ich Ihnen vc-rgcführt habe, gesehen: erreicht haben wir immerhin schon, daß überaus zahlreiche unserer Glaubensgenosien sich auf ihre Pflicht besonnen haben. Erreicht haben wir auch Erkleckliches nach außen. Wir haben vieles Unheil abgewendet, das schon im Werden war. Wenn ich Sie an den Fall Könitz erinnere, so kann ich Ihnen die Versicherung geben, dieser Fall Könitz war an verschiedenen Orten im deutschen Reiche bereits im Entstehen. Könitz ist nicht der erste; bereits in Berlin sollte ein Fall Könitz entstehen. Als hier in der Potsdamerstraße in Berlin die kleine Hedwig Weber, die Tochter eines Schlächtermeisters, verschwunden war, da war die antisemitische Presie sofort bei der Hand, um darauf hinzuweisen, daß das merkwürdigerweise gerade kurz vor dem jüdischen Osterfeste geschehen war und daß dieser Umstand einen offenbaren Hinweis liefere, wo die kleine Hedwig Weber geblieben sei. Und als in Rixdors ein kleiner Knabe namens Burr ermordet wurde, da wurde sofort gesagt, daß man in der Nähe dieses Knaben einen Mann gesehen habe — eine Behauptung, die nur in antisemitischen Blättern sich fand — das sei ein Mann gewesen, der eine sehr große und merkwürdig gekrümmte Nase hatte und pechkohlschwarzes Haar. (Heiterkeit.) Meine Herren, ich könnte Ihnen eine Reihe solcher Fälle melden, und seien Sie überzeugt, wenn da nicht unser Verein sofort eingetreten wäre und die Behörden sofort zu Erklärungen genöthigt hätte — die uns nicht immer gern gegeben wurden— zu solchen Erklärungen gezwungen hätte, die jeden Verdacht einer jüdischen Thäterschaft sofort ausschlossen, so hätten wir den Fall Könitz Jahre vorher erlebt und wir hätten in Könitz noch viel Schlimmeres erlebt, wenn nicht Manches geschehen wäre, um in das bewußt verbreitete Dunkel Helligkeit zu bringen. Gott sei es geklagt, es ist nicht gelungen, volle Aufklärung zu schaffen und den Mörder zu entdecken, und daß es nicht gelungen ist, daran ist schuld der Antisemitismus und die Macht, die er von vornherein auf die. Behörden ausübre, die nach bestem Wiffen und Gewissen gehandelt haben, aber beherrscht wurden von der Scheu vor - den antisemitischen Sendlingen, die abgeschickt waren, um die Behörden zu überwachen.