Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Studententhum und Centralverein
- Date
- 1901-08-01
- Page
- 386 (sequence 8)
- Language
- German
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386 \)U1 OCLUjvi.;Cii iüCvQi). anderen Orten darauf, daß selbst die Juden ja sozusagen auch Menschen sind und den Schutz der Gesetze genießen müssen. M. H-, diese Entwicklung, sagte ich, ist in der That typisch, weil dieselbe Entwicklung bei allen Behörden aller Departements zu beobachten war. Und wenn die Behörden spröde waren, wenn man uns unser Recht zunächst voreuthielt, so müssen wir nur eine Antwort finden auf die Frage: wie ist das möglich gewesen? Es lag an den Juden, es lag daran, daß die Juden selbst sich duckten, daß die Juden nicht den Mund öffneten, wenn ihnen Unrecht geschah. Und, nt. H., ein alter Grundsatz ist: „wo kein Kläger ist, ist kein Richter". Wenn die Juden nicht Klage erheben, wenn sie ihr Recht nicht selbst zur Geltung bringen, so wird cs ihnen nicht, und sie verdienen Lau» auch garnicht, daß es ihnen werde. Als sie ihr Recht verlangten, da errangen sie es sich mehr und mehr. M. H., wenn man so wird anerkennen müssen, daß die Juden die Pflicht haben, für ihr Recht zu kämpfen, dann wird man auch weiter anerkennen müssen: daß der einzelne nicht etwa sagen darf: „was ficht's mich an, ich leide nicht unter dem Antisemitismus." M. H., gerade die, die nicht darunter leiden, haben die doppelte Pflicht, die zu vertheidigen, die leiden müssen und zu schwach sind, sich zu verthcidigen. Und glaube nur jeder: wer heute noch nicht unmittelbar darunter leidet — die Zeit kommt noch, wo auch er wird leiden müssen. Und wcnn's im Nachbarhause brennt, dann greift jeder zu, das ist ein alter, überaus einfacher und selbstverständlicher Grundsatz. Wenn das Nachbarhaus brennt, da hilft man aus Humanitären und auch aus egoistischen Gründen löschen, denn thut man das nicht, und brennt das nieder, beginnt es leicht im eigenen Hause zu brennen. M. H., so ist cs überall gewesen und so wird es bei uns Juden immer weiter sein, und wer nicht leidet, der besinne sich doppelt auf seine Pflicht zu Helsen und zu vertheidigen, und deshalb meine ich, es haben vor allen Dingen unsere Studenten die Pflicht, Kch in der Abwehr zu bethätigen. Sie hätten sie, wenn wirklich die Studentenschaft unberührt wäre von der antisemitischen Bewegung. Aber. nt. H., ist sie's denn? Sehen Sie denn nicht allerorten, wo Sie sich als Studenten bewegen, diese Bewegung platzgreifen und sich geltend machen? Man könnte hier in einer Umkehr des alten Goethe'schen Wortes: „Auch die Kultur, die alle Welt beleckt, hat auf den Teufel sich erstreckt" umgekehrt sagen, diese Feindin aller Kultur, die leider schon einen weiten Thei! der Welt beleckt hat, hat auch in studentischen Kreisen schon Eingang gesunden. Und leider Ln allzuweitem Umfange ist es der Fall gewesen, noch ehe man Student i