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Im deutschen Reich · 1901-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1901) · p. 368

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1901)
Article
C. M. Berlin
Date
1901-06-01
Page
368 (sequence 2)
Language
German
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368 Im deutschen Reich. es die Militärbehörden eigentlich als eine Ehrenpflicht ansehen müßten, diesem Treiben ein Ziel zu setzen. In mehreren Antisemitenblättern („Cüstriner Ztg." vom 24. Mai d. Js., „Deutscher General- Anzeiger" vom 9. Juni d. Js. u. a. m.) wurde z. B. in neuester Zeit ein Schandgedicht „Den tapfere Jtzig" veröffentlicht, dessen letzte Strophen lauten: Da stürzte der HaupLmann, und unverweilt Der Jtzig an seine Seite eilt. Er hebt ihn auf, dann eilt er zurück, Als saß' ihm der Satanas im Genick. Er bettet ihn sicher und pflegt ihn treu, Bis daß die tosende Schlacht vorbei. Der Hauptmann drückt ihm die Hand gerührt, Dann wird er zum General geführt. Der heftet ein Kreuz auf die Heldenbrust Des Jtzigs, da schwimmt er in eitel Lust. Und auch daheim bei „Unsere Lait" Ist alles voll Stolz und Seligkeit. Und weit erzählt man im Land umher Vom Hauptmann und Jtzig die Wundermär. Wohl klingt sie rührend, doch ist nicht klar, Wer von den Beiden der „Retter" war. Dieser „antisemitischen Dichtung" lassen wir die ehrenvolle „Wahrheit" folgen, indem wir auf eine gerichtsnotorische Thatsache verweisen, über welche wir bereits im April 1898 in dieser Zeitschrift (Heft 6 Jahrgang 4) ausführlich berichtet haben. In Folge eines von dem Kaufmann Rosenthal in Hechingen gestellten Strafantrages hat die Strafkammer des Berliner Landgerichts II am 26. März 1898 den verantwortlichen Redakteur der „Deutsch-Sozialen Blätter" K. H. F. W. Hogrefe wegen öffentlicher Beleidigung zu einem Monat Gefängniß verurtheilt, weil in der Nr. 466 der „Deutsch-SozialenBlätter" vom 22. Juli 1897 von demKaufmannRosenthal berichtet war, „derselbe sei bei dem Beginn der Schlacht von Gravelorte seinem verwundeten Hauptmann beigesprungen und habe diesen aus dem Gefechte getragen, ohne sich weiter an dem Kampfe zu betheiligen. Dafür habe er das Eiserne Kreuz erhalten, obgleich diese Auszeichnung für Tapferkeit vor dem Feinde bestimmt sei, nicht für eine sentimentale Anwandlung." Durch die eidlichen Aussagen der Zeugen wurde aber in der Verhandlung festgestellt, daß Rosenthal vor Gravelotte als Einjähriger in einem anderen Regiment, als in dem Artikel angegeben war, gedient, daß er nicht den Hauptmann seiner Kompagnie, sondern einen anderen HaupLmann aus dem Gefecht

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