Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1901)
- Article
- Dresden
- Date
- 1901-06-01
- Page
- 361 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 361 gegenüber. Der Beschluß der in Zwickau abgehaltenen Katholiken-Versammlung, „die sächsische Staatsregierung zu ersuchen, ihre Bevollmächtigten beim Bundesrath anzuweisen, für den Toleranz-Antrag zu stimmen", veranlaßt das hiesige Antisemitenblatt „Deutsche Wacht" zu der nachstehenden zornigen Auslassung: „Das fehlte uns noch, daß die Staatsregierung eines Landes von säst rein evangelischer Bevölkerung Sonderbestrebungen römischer Agitatoren, die mit Hülse von Polen und Tschechen antideutsche Politik treiben wollen, sich beeinflussen lassen sollte. Wir warnen alle jene, die hier in Sachsen mit Religion Politik treiben wollen, dies zu versuchen. Die Sachsen wollen keinen Kulturkampf. Wenn er ihnen aber durch pldje künstlich erzeugte Hetzpetitionen ausgezwungen werden sollte, daun wird Rom es auch in Sachsen erleben, daß weder Katholiken noch Protestanten ihr Heiligstes, den Glauben Christi, zu politischen Geschäften des Centrums mißbrauchen lassen. Der Ruf „Los von Rom" hier in Sachsen würde genügen, um diesen fanatischen Agitatoren zu Zeigen, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat." — Daß der bisherige Herausgeber der deutschen Wacht, „Oswald Zimmermann" heißt und selbst Katholik ist, macht diese Drohung bemerkenswerth. Der Antisemitismus steht freilich nicht nur in Widerspruch mit der menschenfreundlichen Duldsamkeit, sondern auch mit der Religion. Lehrreich für die jetzige politischen Situation auch in Sachsen war die Thatsache, daß an den kürzlich im österreichischen Abgeordnetenhause gestellten Antrag des alldeutschen Antisemiten Schönerer, der „toten Hand", d. h. der katholischen Kirche, weitere Grundbesitzerwerbungen nur noch im Wege eines Reichsgesetzes zu gestatten, der christlich-soziale Antisemit Schneider sofort den Antrag knüpfte, den Juden jede weitere Grundbesitzerwerbung zu verbieten. Die antisemitische „Deutsche Wacht" berichtet heute am 21. Juni: „Bekanntlich hatte sich Graf Pückler wegen seiner hier in Dresden im „Tivoli" am 22. November v. I. gehaltenen Rede vor dem Landgericht zu verantworten. Da er zur ersten Verhandlung nicht erschien, wurde er am Mittwoch, früh 7 Uhr, auf seinem Rittergute in Klein-Tschirne vom Gerichtsdiener Friedrich unter Jnrervention des Amtsvorstehers und Rittergutsbesitzers Rietsch aus Brieg verhaftet und gewaltsam nach Dresden gebracht. Um 5 Uhr Nachmittags begann sodann nach einigen des Humors nicht entbehrenden Zwischenfällen, betreffend Wahl der Eisenbahnfahrt- Klasse, des Absteige-Quarliers rc., die Verhandlung vor der 5. Strafkammer. Graf Pückler protestierte zunächst gegen seine 'Verhaftung und gab hierauf zum ersten Male zu, daß er die Absicht gehabt habe,