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Im deutschen Reich · 1901-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1901) · p. 358

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1901)
Article
Konitz
Date
1901-06-01
Page
358 (sequence 4)
Language
German
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358 Im deutschen Reich. Zeitung", welche conseguent der Bevölkerung den Wahn einzuimpfen sucht, daß die Juden eineu Einfluß aus Verwaltung und Justiz haben, schreibt: „Welche Gründe für die Versetzung des Landraths von Zedlitz Vorgelegen haben, wissen wir nicht. Indem wir uns Vorbehalten, darauf zurückzukommen, wollen wir heute nur bemerken, daß Herr von Zedlitz den Konitzer Juden wegen seiner Objektivität stets im Wege war, und daß schon im vorigen Jahre hinter den Coulissen aus seine Versetzung hingearbeitet wurde." Denselben trüben Zwecken, wie diese den tatsächlichen Verhältnissen so wenig entsprechende Behauptung, dient offenbar auch eine Kritik der richterlichen Nrtheile in den oben erwähnten Weichel-Prozessen; es wird nämlich behauptet, daß deren Verlaus „in den weitesten Kreisen der Konitzer Bevölkerung die lebhafteste Beunruhigung Hervorrufe." Das Berliner Antisemitenblatt schreibt wörtlich: „Ob es Herrrn Weichet aus diese Weise gelingt, eine auch nur einigermaßen der furchtbaren Schwere der Verleumdungen entsprechende Sühne zu erkämpfen, erscheint nach dem Beginn seiner Prozeßreihe recht zweifelhaft. Es wäre schon deshalb gut, daß dieser Kampf allenthalben ausgefochten wird, damit festgestellt werde, ob alle in Betracht kommenden preußischen Richter der gleichen Ansicht sind, daß die Ehre und Existenz eines preußischen Lehrers thatsächlich nur zehn bis zwölf Mark werth ist." — Eine solcheBeurtheilung preußischer Richter ist sicher weit geeigneter, Unruhe in der Konitzer Bevölkerung hervorzurusen, als die betreffenden Urtheilssprüche. Kottbus, 20. Juni. Der Führer der hiesigen Antisemiten, Johannes Krüdecke, Obersekretär der Staatsanwaltschaft, wurde wegen Unterschlagung amtlicher und anderer Gelder und Werthsachen zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt. X Flatow, 2. Juni. Am ersten -Pfingstfeiertage hat der Ostgau des Deutschen Turnerbundes mit dem hiesigen Turnverein „Jahn" die Enthüllung eines Jahn-Denkmals gefeiert, für welches Prinz Friedrich Leopold den Grund und Boden zur Verfügung gestellt hatte. Auf der Empfangskneipe, der ein Amtsrichter präsidierte, hielt der Herausgeber der „Staatsbürger-Ztg", Wilhelm Bruhn eine Rede, in welcher er zur rücksichtslosen Bekämpfung des Judenthums, das in der preußischen Ostmark am frechsten sein Haupt erhebe, anfeuerte. Diese Auslassungen hielten den Landrath des Kreises, v. Massenbach, nicht ab, am folgenden Tage bei der Fortsetzung der Empfangskneipe, einen Trinkspruch auszubringen. Dagegen hatte der Bürgermeister von Flatow die Einladung mit der Begründung abgelehnt, daß er an der Festlichkeit eines Vereins, der

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