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Im deutschen Reich · 1901-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1901) · p. 334

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1901)
Article
Kleinstadt und Pincenez
Date
1901-06-01
Page
334 (sequence 3)
Language
German
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334 Im deutschen Reich. jemandem spricht, während man mit anderen Dingen, die das Interesse besonders in Anspruch nehmen, beschäftigt ist, so daß man für das Aeußere einer -Person in dem Augenblick kein Interesse hat, dann kann es nach meinen wiederholten persönlichen Erfahrungen wohl Vorkommen, daß man mit jemandem gelegentlich zusammen ist, mit ihm auch spricht und ihn doch nicht kennt. Ich hätte in jedem der drei hier erwähnten Fälle nicht einmal wie Moritz Levy Entlastungszeugen, die aussagten, ich hätte keinen Berkehr mit ihnen. Das läßt sich in der Großstadt schwerer als in einer kleinen Stadt wie Könitz konstatieren. Nun denke man, ick wäre in einen Prozeß verwickelt, in welchem es sich darum gehandelt hätte, ob ich alle drei Herren gekannt habe — und da es sich um drei Redakteure handelte, wäre ja ein solcher Prozeß, etwa ein Preßprozeß, ganz leicht möglich — und ich hätte nach bestem Wissen und Gewissen beeidet, ich kenne die Herren nicht, es sei möglich, daß ich die Herren gesehen oder gesprochen, aber ich wüßte nicht, wer sie feien. Für was für einen hart gesottenen Sünder und meineidigen Schurken würden die Geschworenen mich halten, welche Strafe würde der Gerichtshof über mich verhängen, da ich nachweislich zwei der Herren häufiger gesprochen, mit einem sogar wenige Tage bezw. Wochen vorher wiederholt persönlich in Geschäften verhandelt habe? Ich kann nur den ewigen Göttern 'danken, daß ich noch niemals einen Eid zu leisten hatte, ob ich jemand kenne oder nicht. Nach dem Konitzer Meineidsprozesse würde ich lieber alle Strafen wegen Zeugnißverweigerung über mich ergehen lassen, als einen dahingehenden Eid leisten.

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