Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 298 (sequence 9)
- Language
- German
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298 Im deutschen Reich. beantwortet Haren, dankte Herr vr. Oppenheimer, welcher als Referent das Schlußwort hatie, Herrn vr. Hildesheimer für seine Mittheilungen, in welchen er selbst keinen Gegensatz zu den in seinem Vorträge enthaltenen Anschauungen gesunden habe. Er habe auch keinen Zweifel darüber zum Ausdruck gebracht, ob die Juden zur Beschäftigung in landwirthschaftlichen Kolonien sich geeignet erwiesen hätten, sondern nur betont, daß eine derartige Kolonisation im Anfang stets Schwierigkeiten verursache, die sich nur auf dem Wege der Genossenschaft überwinden lassen. Um 11 Uhr wurde die Versammlung geschlossen. Zur Abwehrfrage wird von einem hervorragenden süddeutschen Juristen der „Allg. Ztg. des Judenthums" geschrieben: ,,Als die antisemitischen Zeitungen mit allgemeinen Angriffen auf Juden anfingen, waren sie vielen und vielleicht den zahlreichsten Lesern langweilig, bis sie kühner wurden und ihre Angriffe nicht mehr gegen die Gesammtheit richteten, sondern Aufsehen erregende Thaten, für den Thäter natürlich nur schimpfliche,, mit Namen genannten Personen zur Last legten. Anfänglich lachten die Beleidigten und ignorierten die ihnen zugefügte Unbill. Die Angreifer wurden darauf noch kühner. Allmählich sah man aber in den angegriffenen Kreisen ein, daß richterliche Hülfe geboten sei, die auch eine heilsame Schutzwehr gegen künftige Angriffe bilden würde. Daher allmählich zahlreiche Privatklagen Beleidigter gegen antisemitische Redakteure. Der Effekt war ein ganz merkwürdiger. Fast in allen, wenigstens den mir zur Kenntniß gekommenen, Fällen haben sich die zum Gegenstand der Klage gemachten Beleidigungen als jeder tatsächlichen Grundlage entbehrend erwiesen. Daß unter einer Bevölkerung von zehn Millionen — so viel Juden sind vielleicht auf der Welt — zahlreiche strafbare Handlungen Vorkommen, liegt auf der Hand; die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden mit einer ähnlich großen Bevölkerung haben leider zahlreiche Zuchlhäuser und alljährlich mehrfache Hinrichtungen und die Bevölkerung dieser Länder ist doch eine wohlkultivierte. Aber gerade solche Handlungen, welche sich als auffällige Strafthaten erwiesen hätten und in den antisemitischen Zeitungen Juden zur Last gelegt waren, waren fast stets erdichtet. Insbesondere hat sich der frühere Gemeindeschächter Kurzweil in Goltsch-Jenikau, dem, ohne daß er jemals in Polna gewesen wäre, die Theilnahme an dem dortigen Morde nachgesagt war, seiner Haut tapfer gewehrt, und die ihn angegriffen haben, in Wien, München, Magdeburg, sind schwer gestraft worden. Jetzt hat eine dieser anti-