Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- Ein fürstlicher Menschenfreund
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 264 (sequence 3)
- Language
- German
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264 Im deutschen Reich. Post-vorbei." Der Alte mußte sich setzen und schreiben. Während der Zeit unterhielt sich der Fürst auf die leutseligste Weise mit der Frau und trug dann den Brief selbst zur Post. Man öffnete hier recht gerne das schon geschloffene FeÜeisen. Der Brief gelangte glücklich an den jungen Levin, der sogleich auf's Schloß eilte, sein Empfehlungsschreiben überreichte und seine Bitte mit dem besten Erfolge gekrönt sah." — Noch eines edelmüthigen Zuges sei hier gedacht: „Als Herzog Leopold am 27. April 1785 von einem Spaziergange zurückkehlte, begegnete er einer armen Judenfrau aus Friedland in der Lausitz, welche Wöchnerinnen pflegte. Sie war zur Reise gerüstet, trug ein Bündel unter dem Arme und hatte ihre Tochter an der Hand. Der Herzog, der sie kannte, fragte: „Wo will Sie hin?" „Nach Friedland, Jhro Durchlaucht!" „Fürchtet sie sich nicht vor dem hohen Wasser? Weiß sie nicht, wie gefährlich es ist, jetzt zu reisen?" — „Ich muß, Durchlaucht." — „So nehme Sie sich in Acht, daß sie nicht Unglück erleidet." Damit holte er zwei Thalerftücke aus der Tasche und gab sie der Mutter und Tochter als Reisegeld mit." Noch an demselben Tage fand Herzog Leopold in den Fluten seinen Tod. — Sein Andenken sei von dankbaren Israeliten und Menschenfreunden hoch in Ehren gehalten.