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Im deutschen Reich · 1901-05-01 · Heft 5 (Mai 1901) · p. 262

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 5 (Mai 1901)
Article
Ein fürstlicher Menschenfreund
Date
1901-05-01
Page
262 (sequence 1)
Language
German
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262 Im deutschen Reich. Gin fürstlicher Menschenfreund. Von L. Horwih. Oafsel.?^Mer bekannte Herzog Leopold zu Braunschweig-Lüneburg, MÄ der in Frankfurt a. Oder am 27. April 1785 bei einem Rettungsversuche sein Leben eiugebüßt, hat sich den Juden in Frankfurt a. O. wiederholt als echter Menschenfreund bewährt. I)r. Christian W. Spieker, der im Anfang des 19. Jahrhunderts eine Lebensbeschreibung dieses Fürsten veröffentlichte, berichtet über das Lerhältniß des Herzogs Leopolds zu den Juden Folgendes: „Wie er in seinen Diensterweisungen keinen Unterschied der Stände und Glaubensbekenntnisse machte, so war er auch bei allen Gelegenheiten ein Fürsprecher. Freund und Beschützer der Juden. Eben weil sie bedrückt und gering geachtet waren, machte er sie zum Gegenstand seines besonderen Wohlwollens. Er kannte alle in Frankfurt a. O. einheimischen Juden, und sie hatten zu jeder Tageszeit freien Zutritt bei ihm. Ein Schreiben an den damaligen Justizdirektor Gotthold möge dies beweisen. Es hat folgenden Wortlaut: „Da ich gestern Abend hörte, daß einer von meinen alten Kundleuten, der 70jährige Jude Oscher, sollte über die Grenze gebracht werden, so erfuhr ich, daß es die Juden-Aeltesten hauptsächlich wünschen. Also ließ ich es Ihnen diesen Morgen selbst sagen, daß sie in Betracht seines hohen Alters und wirklich sehr schmerzhaften Krank- Heiken ihn doch hier dulden möchten. Aber sie beriefen sich auf Ew. Wohlgeboren, daß er nunmehr ohne dero Consens nicht mehr loskommen tonnte. Daher ersuche ich Ew. Wohlgeboren, wo möglich den armen alten Krüppel seine kurze Lebenszeit hier zu lassen. Diese Gefälligkeit werde ich immer mit Dank erkennen und verbleibe inzwischen mit vieler Achtung Ew. Wohlgeborener Frankfurt, ergebener Diener den 20. Februar 1783. Leopold, Herzog von Braunschweig und Lüneburg. Seine Freude war groß, als der alte Oscher in Frankfurt bleiben durste. Er sorgte bis zu seinem Ende dafür, daß er keine Roth litt. —

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