Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- Die Juden als Soldaten
- Date
- 1901-05-01
- Page
- 261 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Juden als Soldaten. 26L heute ist seine Leiche nicht gefunden; sowie dies Eintritt, gebe ich Nachricht. Meine Kompagnie verliert in Ihrem Sohn einen wackeren Soldaten, der still und unverdrossen seine Pflicht getreulich erfüllte. Am 25. Februar stand er mit uns gegen große Ueberzahl chinesischer Räuber in Inständigem Nachtgefecht als tapferer Soldat im feindlichen Feuer. Sein Andenken wird in der Kompagnie hochgehalten. Das Geld und einige Sachen, die er als einziges Besitzthum hinterlasten, werden Ihnen als Postsendung zugehen. Ich schicke auch werthlose Kleinigkeiten, da sie für Sie teure Andenken an Ihren braven Sohn sein werden. Ihr Trost möge sein, er starb den Tod fürs Vaterland. Mit Ihnen trauert Ihr ergebener gez. Danner, Oberleutnant und Führer der berittenen Kompagnie des 6. vstaj. Jnf.-Rgts. Eine ganze Reihe von Prozessen hat neuerdings Gelegenheit zu der Wahrnehmung geboten, die Thatsache festzusteüen, daß es nicht die Juden sind, welche den Militärdienst scheuen. An den schmählichen „Freimachungs-Prozessen" waren Juden weder aktiv noch passiv betheiligt; weder scheuten jüdische junge Leute den Waffendienst, noch fanden sich jüdische Eltern, welche diesem Dienste ihre Söhne hätten auf Schleichwegen entziehen wollen. Wohl sind manche Juden zur Ableistung des Heeresdienstes vergeblich von den Behörden gesucht, bezw. wegen Ausbleibens bei der Stellung mit Strafen bedroht worden. Diese angeblichen Fahnenflüchtigen gehörten aber sämmtlich zu den beklagenswerthen jungen Leuten, die in der Heimath trotz redlichen Bestrebens keinen lohnenden Erwerb finden konnten und deshalb sich noch vor Erreichung des militärpflichtigen Alters in das Ausland begeben mußten. Sicher würden auch sie dem Vaterlande gern gedient haben, wenn nicht in diesem die Antisemiten ihnen die Existenzbedingungen so sehr erschwert hätten. Hort einst dieses Unwesen aus und wird dem jüdischen Sol» daten, der sich im Dienst auszeichnet, die Aussicht eröffnet, dafür dieselbe Beförderung, wie sein christlicher Kamerad zu empfangen, dann wird sicher kein einziger, körperlich tüchtiger Jude fehlen, wenn ihn das Vaterland zum Kriegsdienst ruft.