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Im deutschen Reich · 1901-05-01 · Heft 5 (Mai 1901) · p. 257

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
7 (1901)
Issue
Heft 5 (Mai 1901)
Article
Eine Umfrage über den Ritualmord
Date
1901-05-01
Page
257 (sequence 6)
Language
German
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Eine Umfrage über den RiLualmord. 257 aber der Unsinn wiederholt sich immer wieder. Kommt der Mord von Christen seitens Juden vor, was für mich auch nicht anders als andere Morde anzunehmen ist, so wurde ich ihn nicht auf rituelle Gepflogenheiten beziehen, sondern ähnlich deuten ivie die Urchristenmorde von Seite der Römer oder die Morde an christlichen Missionären seitens der Chinesen rc. Indem ich eS absolut in Abrede stelle, daß Inden zu rituellen Zwecken je Christenblut brauchen und verwenden und deshalb den Ritualmord begehen, habe ich das Letztere ebensowenig zu begründen, wie etwa die Lehre vom Lebendigbegrabenwerden. Ich kann mir für die Erklärung der Entstehung der Idee vom Ritualmord, da ich nicht Positives anzusiihren weiß, nur den Racenhaß vorstellen, und als wirksamstes Mittel zur Bekämpfung der durch nichts als durch wild gemachte Phantasie erklärlichen Fabel vom Ritualmerde gilt mir neben Aufklärung und Bekämpfung des unwürdigen Antisemitismus vor Allem die Forderung der allgemein menschlichen, nicht bloS christlichen Toleranz. Hochachtungsvoll ergebenst Professor 1>r. Schweninger". l)r. P. Christ, Professor au der theologischen Faeultät der Universität Zürich. „Zürich, 7. April. Hochgeehrter Herr! Der fraglichen Erscheinung stehen wir hier zu fern, um uns über ihre Entstehungsweise ein sicheres Urtheil bilden zu können. Mir persönlich scheint die Beschuldigung theils die Furcht kraffen Aberglaubens, theils fanatischen Glaubens- und Racenhasses zu sein, ohne objektive thatsächliche Grundlage. Hochachtungsvoll P. Christ, Professor". I>r. Ludwig Aegidi, Professor an der juridischen Faeultät der Universität Berlin. „Ad. I, a): Nein. Ad L b): Als Jurist befolge ich den Gnrndjatz „quisquis praesumitur bonusu. Dazu bekenne ich mich als Christ. So lange mir nicht Beweise vom Gegentheil vorliegen, bleibe ich deshalb überzeugt von der Grundlosigkeit der Beschuldigung meiner israelitischen Nebenmenschen in Betreff des sogenannten Ritualmordes. Ad II, a); Eben daher, wie die Beschuldigung der ersten Christen in Betreff der geheimen Feier des heiligen, Abendmahles. Ad II, b): Das gute Gewissen aller Juden. 10. §4ml 1901. -Ludwig Aegidi".

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