Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 223 (sequence 12)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 223 ausfall hat Regierung und Klerus davon überzeugt, daß sie gar nicht nöthig gehabt hätten, vor der antisemitischen Dewagogen-Tyrannei sich zu beugen. Endlich raffte sich der Statthalter zu scharfen Erlassen auf, die in das Wiener Rathhaus wie Blitze einschlugen, aber doch keine Unterwerfung unter die Regierungs-Autorität zur Folge hatten. Ob der Statthalter fest bleiben wird, steht dahin; immerhin ist der Bann gebrochen, der in Wien die Bureaukratie in der Wahrnehmung der' Gesetze gegenüber den Ausschreitungen der Antisemiten bisher hemmte. Der Schein der Unverletzlichkeit, der Schein der Straflosigkeit ist verschwunden. Der Regierungs-Apparat funktioniert auch den Antisemiten gegenüber und nur der katholische Klerus wäre im Stande ihren Fall noch zu verhüten. Niemand weiß bis jetzt, wie die Würfel fallen werden, aber selbst wenn die Entscheidung den Antisemiten noch einmal günstig sein und den Lueger, Strobach und Konsorten gestatten sollte, ihr Treiben fortzusetzen, — auf die Dauer kann die österreichische Regierung, kann kein Staat sich durch das, zerrüttende Demagogenthum der ärgsten Kulturfeinde Vorschriften machen lassen. Kommen muß der Tag, an welchem das Jlium des Religions-, Rassen- und Klassenhasses hinsinkt; kommen muß der Tag, an welchem „der karge Staat mit feinen Dienern geizen und die Nothwendigkeit — menschlich sein wird!" A. L. -ZK Korrespondenzen. X Berlin, 20. April. Der Rabbinerv erband in Deutschland veröffentlicht folgende Erklärung: „In ihrcrNummer vom 6. Marz hat die „Staatsbürger-Zeitung" ein von Leopold Landau inPforzheim" verfaßtes, den „Deutschen Rabbinern" gewidmetes Gedicht veröffentlicht und daran.die Bemerkung geknüpft, daß eine solche Anklage, öffentlich von jüdischer Seite erhoben, nicht unbeachtet bleiben dürfe. Dies hat den „Rabbinerverband in Deutschland" veranlaßt, der „Staatsbürger-Ztg." nachstehende Berichtigung zugehen zu lassen: „Es ist unwahr, daß den Rabbinern eine starke Sekte bekannt ist, die noch im rohesten Aberglauben verharrt. Wahr ist, daß die deutschen Rabbiner überzeugt sind, daß. eine solche.jüdische Sekte überhaupt nicht, existiert.