Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1901-04-01
- Page
- 213 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 213 „Kaiser, kehr' um!" sich bis au den Thron herangewagt hatten, als ihnen ihre Verhetzungen energisch vorgehalten wurden, sich unschuldig 311 stellen und Andere für die von ihnen ungerichteten Verwüstungen verantwortlich zu machen. Daß die „Staatsbürger-Zeitung", welcher das militärische Eingreifen in Könitz das Konzept der so sorgfältig vorbereiteten Judenhetze verdorben hat, erklärte: „Die Juden sind emsig an der Arbeit zur Untergrabung des Autoritätsgefühls im deutschen Volke, wissentlich uud unwissentlich!" konnte Niemanden in Verwunderung setzen. Noch weit dreister erschien aber die Aeußeruvg der Zimmermann'schen „Deutschen Wacht": „Nicht uns, sondern die Bcrather des Kaisers trifft die Schuld an dem Niedergang der Autorität der Krone in nationalen Kreäsen", denn unmittelbar darauf rügte dasselbe Blatt höhnisch die kaiserliche Spende zur Errichtung eines Denkmals für den in Oxford verstorbenen deutschen Gelehrten Max Müller, „der zufolge seiner scharfen Stellungnahme für dse Engländer viel, jedoch keineswegs mit Anerkennung genannt worden sei". Die antisemitischen Organe wiffen dabei recht gut, daß nicht die Berather der Krone, und ganz gewiß nicht die Juden, für diese Spende oder für andere, den Gegnern Englands unwillkommene neuere Handlungen verantwortlich sind. Der Groll gegen die allein dafür verantwortliche höchste Stelle ist bei der „Staatsbürger-Ztg." so groß, daß sic darüber vollständig die feindseligen Gefühle verwindet, die sie bis in die neueste Zeit wider ihren schärfsten politischen Gegner bekundete; sie zollt sogar dem freisinnigen Abgeordneten Eugen Richter, welcher gegen die Wiedergabe der kaiserlichen Aeußerung durch den Kammerpräsidenten aus verfassungsrechtlichen Gründen Einspruch erhob, freundliche Anerkennung. Daß sie dabei einige vierzig Zeilen aus einer an das Verhallen Forkenbecks erinnernden Besprechung der „Dossischen Zeitung" ohne Quellenangabe entlehnt und offenbar als ihr eigenes Geistesprodukt darstellt, ist nur ein neuer Anfall jener Aneignungssucht, welcher bei dem Antifemitenblatt, das sich offenbar gern Ln den Geist der „Judenpreffe" vertieft, 'sich schon früher bemerkbar gemacht hat und immerhin ihr Wesen kennzeichnet. Die Beifallskundgebungen des „Mobs" und das zaghafte Verhalten mancher Behörden haben die antisemitischen Anarchisten so kühn gemacht, daß ein vereinzelter Wafferftrahl ihren Uebermut.) kaum dauernd dämpfen wird, wenn man sich in den leitenden Kreisen darüber nicht klar wird, wohin die systematisch betriebene Aufwiegelung des Mittelstandes schließlich führen muß. Wir haben schon in dem vorigen Hefte dieser Zeitschrift in einem Bericht aus Frankfurt a. M. darauf aufmerksam gemacht, daß dort der Berliner Geschäftsführer der deutsch-