Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 3 (März 1901)
- Article
- Jahresbericht
- Date
- 1901-03-01
- Page
- 139 (sequence 5)
- Language
- German
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Jahresbericht. m Wir haben dann hier in Berlin auch — das kann ja nicht übergangen werden — wiederholte Verhandlungen erlebt gegen den Grafen Pückler. Es liegt mir daran, hier festzustellen, daß diese wiederholten Verhandlungen ohne unser Zuthun stattgefunden haben. Wir haben uns nicht mehr an den Staatsanwalt gewendet. Die Staatsanwaltschaft ist auch auf dem Punkte angelangt — wenigstens die Berliner,, die repräsentiert wird durch den außerordentlich vorurtheilslosen und gerechten Oberstaatsanwalt Jsenbiel — sich zu sagen, daß es von amtswegen einzuschreiten gilt, selbst wenn nur gegen Juden Verstöße begangen sind (Heiterkeit), und so hat denn der Oberstaatsanwalt immer und immer wieder Anklage erhoben gegen den Grafen Pückler. Wir haben Anträge nicht mehr gestellt; wir stellen prinzipiell nicht Anträge gegen Leute, denen ihre Unzurechnungsfähigkeit amtlich bescheinigt wird (Heiterkeit und Beifall), zumal wir uns von der Tüchtigkeit des Urtheils überzeugen mußten, welches sagt, Graf Pückler sei in Wahnvorstellungen befangen. Man sieht an ihm; man kann Gras und man kann außerordentlich gut situierter Großgrundbesitzer sein und doch noch einen Größenwahn haben. (Heiterkeit.) Der Mann hält sich nämlich für einen Politiker (Heiterkeit), und der Mann glaubt, daß er das deutsche Volk leiten könne. Nun, der Theil des deutschen Volkes, der diesem Leiter folgt, möge ihm weiter folgen; er wird sehen, wohin er geführt wird. Es lag mir aber daran, festzustellen, daß von uns diese Anträge nicht mehr ausgegangen sind, sondern eine Verfolgung von amtswegen eingetreten ist. Daß wir wieder in zahlreichen Fallen Berichtigungen veranlassen mußten, daß wir auf allen Gebieten der Staatsverwaltung, insbesondere in Schulangelegenheiten, thätig sein mußten, ist Ihnen ja zum theil bekannt geworden. Es ist uns eine rechte Genugthuung daß insbesondere, was die Schulangelegenheiten betrifft, in dem Jahresbericht des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reich für das Jahr 1900 ein längerer Aufsatz unserer Thätigkeit gewidmet ist und daß gerade dort in jenem Berichte „dem für die Rechte der den;schen Judenheit unentwegt thätigen und kämpfmden Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens der innigste Dank ausgesprochen" wird. Wer irgendwie für eine Allgemeinheit thätig ist, der weiß, wie außerordentlich selten ihm Dank gezollt wird, der weiß, daß er auf Dank nicht rechnen darf, sondern daß er thätig zu sein hat lediglich der Sache wegen, und in dieser Empfindung, daß wir nicht Dank zu beanspruchen haben, sondern daß wir nur der Sache dienen, der zu