Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 7 (1901)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1901)
- Article
- Prof. Dr. Zange [Rezension]
- Date
- 1901-02-01
- Page
- 119 (sequence 9)
- Language
- German
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Büchcrschau. 119 von dem Kindes- und Jünglingsaller nicht gekannt und nicht bethätigr werden. Damit wäre der Boden entzogen, auf dem der innere Friede und die Größe des gemeinsamen Vaterlandes allem gedeihen kann. Wir wissen wohl, daß auch in den Reihen unserer Glaubensgenossen ähnliche Motive, wie sie der Verfasser hat, zu ähnlichen Forderungen geführt haben, aber wir bekämpfen sie hier wie dort aus derselben Ileberzeugung heraus, indem wir unsern Blick a minori ad maius wenden. Es ist eine arge Versündigung an dem gesunden Menschen» verstand und den Lhatsachen, die konfessionslose Schule mit der Schule zujammenzustellen, in der die Unterschiede der Nationalität verschwinden, wie es Ziller thut. Werden etwa die Schüler dadurch religionslos oder unreligiös, daß die Schule interkonfessionell ist? Konfessionslos, von der Schule gebraucht, heißt doch nur, die Schule vertritt und pflegt nicht eine bestimmte religiöse Lehre und Richtung und nimmt deshalb nicht Charakter und Namen einer bestimmten Religion oder Konfession an, sondern sie eint die Schüler ohne Rücksicht auf ihre Religion und Konfession und trennt sie nur im Religionsunterricht. Die Schule ist, was sie sein soll und muß, eine Einrichtung des Staates und ein genaues Spiegelbild des öffentlichen Lebens, wie es sich nach Wunsch und Wirken vorurtheilssreier Menschen gestalten soll: Im staatsbürgerlicheu Leben geeint, in der Kirche getrennt. Diese Einheit und Einigkeit wird aber nicht dadurch erzeugt, daß wir uns — wie es der Verfasser S. 28 genügsam fordert — in äußerlichen Dingen vertragen lernen; dadurch wird sie zu einer äußerlichen herabgcdrückt und in ihrem Werthe nnd ihrer Wirkung unterschätzt. Gewiß darf man „keine Gemeinschaft ernsterer Natur" wollen, ohne wahr zu sein, gewiß soll man nach deutscher Art streben, „wahr und klar und frei zu sein". Aber wir haben oben gezeigt, wozu die Wahrheit durch die Konfessionalisierung der Schule führen muß; wir fragen: wie ist die Freiheit, die die Schule in die Fesseln der Konfessionalität schlägt? „Uniformieren auf Kosten der Wahrheit ist Nomanismus. Protestieren gegen allen falschen Schein ist deutsche Art", sagt der Verfasser S. 29. Zugestanden. Aber wer anders als der Anhänger der konfessionellen Schule uniformiert auf Kosten der ewigen Wahrheit, die von der Religion und Konfesflon unabhängig ist? Und wer protestiert gegen allen falschen Schein kräftiger als diejenigen, die behaupten, daß aus Glaubenseinheit durchaus noch nicht Gewissenseinheit folge. So wirkungsvoll auch der Vortrag in die Worte ausllinöt: „Im Namen des Rechts, im Namen der Wissenschaft, im Namen der Pädagogik, im Namen der Wahrhaftigkeit, im Namen der Kinder, der Eltern, der Lehrer, der Kirche, der bürgerlichen Gemeinde,